Was „aus einer Laune heraus“ begann, wurde schnell zur Profession: Als Studentin startete Jutta Kirberg ins Catering-Geschäft, heute wuppt sie mit Kirberg Catering und ihrem Team aus 100 festen und 150 freien Mitarbeitenden rund 400 Events pro Jahr. Seit 1982 bespielte Kirberg-Catering etliche Konzerte berühmter Bands, Events namhafter Kund*innen und feste Locations in Köln und darüber hinaus. Seit 2014 ist Kirberg Catering Gastronomiepartner der Kölner Flora – für Jutta die beindruckendste Location Kölns.
Jutta, was verbindest Du mit Köln?
Ich bin gebürtige Kölnerin und egal wo ich gewesen oder von wo ich zurückgekommen bin: Köln ist für mich Heimat.
In welchem Veedel bist Du zu Hause?
Geboren bin ich in Lindental. Dann habe ich im Agnesviertel gewohnt und in Nippes. Heute wohne ich nicht mehr in der Stadt und betrachte Köln aus einer anderen Perspektive: Wir sind umgezogen.
Was ist aus deiner Sicht typisch für Köln – was ist dein „K-Gefühl“?
Typisch Köln ist für mich die Vielfalt in der Stadt, die Offenheit der Menschen. Wo man auch ist, man kommt hier sehr schnell mit den Menschen in Kontakt. Die Vielfalt zeigt sich übrigens auch kulinarisch. Ich finde, wir haben ein hochwertiges und abwechslungsreiches Gastronomieangebot in der Stadt.
Du wurdest von uns in der Gondel fotografiert. Was hat es damit auf sich? Wo schwebst du da?
Für mich ist die Gondel ein Platz der Ruhe. Sie bietet die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln, einen anderen Blick auf die Dinge und die Stadt einzunehmen. Dafür ist die Gondel ein ganz toller Platz, weil man Köln von allen Seiten sieht. Von hier aus sieht man die beeindruckendste Location Kölns – die Flora. Hier sind wir exklusiver Cateringpartner und haben einen der schönsten Arbeitsplätze in der Stadt.
Jutta Kirbergs Karrierestart: Die Rollings Stones brachten alles ins Rollen
Wie bist du zum Catering gekommen: Wunschberuf oder Zufall?
Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall. Kirberg Catering wurde im Jahr 1982 fast aus einer Laune heraus als Catering für namhafte Rock ’n’ Roll-Bands gegründet.
Ich war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort.
War das Catering für die Rolling Stones dein allererstes Catering? Und wie kam man darauf, dich als Studentin zu fragen?
Ja, die Rolling Stones haben im Müngersdorfer Stadion im wahrsten Sinne des Wortes alles ins Rollen gebracht, denn die beiden Konzerte waren mein erster Cateringeinsatz. Täglich becaterten wir rund um die Uhr circa 250 Personen – die Stones, Peter Maffay, BAP, die Crews und das Management. Und, ich war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort.
Wie erinnerst du dich daran? Als Erfolg oder als spannendes Abenteuer?
Die Tage im Stadion waren ein echtes Abenteuer. Eine andere Welt, in die ich eintauchen durfte. Und ein Erfolg war es auch, wie man heute sieht, denn in dem Jahr wurde der Grundstein für Kirberg Catering gelegt und für das, was wir heute sind – ein im deutschen Markt fest etabliertes Cateringunternehmen.
Was hat es gegeben? Was hatten die Stones bestellt?
Es war nicht einfach, alle Wünsche aus der Bühnenanweisung zu erfüllen. Zum Teil kauften wir in Holland ein und über Kontakte in amerikanischen Supermärkten in Frankfurt. Wir haben keine Mühen gescheut, um alles an den Start zu bringen und das wurde belohnt. Wir konnten gleich bei den Konzerten weitere Jobs an Land ziehen.
Es folgten Tourneen mit Santana, David Bowie und Luciano Pavarotti.
Du hast danach auch für andere Musiker und Musikerinnen Caterings gemacht.
Ja, danach folgten Tourneen mit Santana, David Bowie und sogar Luciano Pavarotti. Die Bandbreite der Musiker und Musikerinnen ist enorm: Wir übernahmen – unter anderem – für Howard Carpendale, für BAP und die Toten Hosen das Catering.
Hohe Ansprüche – an Qualität und Nachhaltigkeit
Kirberg Catering legt viel Wert auf Nachhaltigkeit. Wie sieht das konkret aus?
Wir haben uns der Gemeinwohlökonomie verschrieben. Das heißt, unser gesamtes Handeln richtet sich am Wohl von Menschen und Umwelt aus. Daraus ist unser Konzept Culinary Green entstanden. Es geht dabei um weit mehr als um Speisen – nämlich darum, verantwortungsvoll zu wirtschaften, zusammenzuarbeiten und echte Gastgeber zu sein. Dieses Engagement wird extern nach den Kriterien der Gemeinwohlökonomie geprüft, messbar und transparent.
Ganz praktisch beginnt Nachhaltigkeit für uns immer bei der Herkunft der Produkte. Die Zusammenarbeit mit kleinen Betrieben, der Fokus auf Saisonalität bei Gemüse, Kräutern und Obst – all das ist für uns keine Einschränkung, sondern eine kreative, freudvolle Pflicht. Mit unserer Kirberg Feldinitiative stärken wir gezielt die Zusammenarbeit mit lokalen Erzeuger*innen. Dabei sind auch alte Gemüsesorten wieder auf die Felder zurückgekehrt, deren ursprünglicher Geschmack uns zu neuen Gerichten inspiriert. Unser Anspruch ist, Events kulinarisch nachhaltig zu machen – ohne Verzicht zu üben. Im Gegenteil: Culinary Green steht für eine neue, entspannte Genusskultur – kreativ, gastfreundlich und Schritt für Schritt grüner.
Gibt es ein Vorbild in der Gastronomiewelt, das dich inspiriert?
Offenheit für neue Dinge gehört für uns ganz selbstverständlich dazu. Inspiration findet täglich statt: beim Blättern in Zeitschriften und Büchern, beim Ausgehen, im Austausch mit Kolleg*innen und im Brainstorming mit dem Team.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung ist Teil unserer Haltung. Inspiriert sein, über den Tellerrand schauen und im Team voneinander lernen – all das prägt unsere Arbeit. Wir beobachten den Markt und finden individuelle Lösungen für die Wünsche unserer Kund*innen. So sind wir zu dem geworden, was wir sind – unestablished since 1982.
Ich bin happy, wenn ich spüre, dass die Atmosphäre stimmt.
Was macht dir im Beruf am meisten Freude?
Ich bin happy, wenn ich spüre, dass die Atmosphäre stimmt. Alles, was wir tun, muss sich für die Gäste leicht, professionell, unkompliziert und selbstverständlich anfühlen, alles muss ineinandergreifen – Ablauf, Programm und Kulinarik. Dann fühlen die Gäste sich gut: gut informiert, gut vernetzt, gut unterhalten und menschlich angesprochen. Sie gehen nach Hause mit dem Gefühl, Teil eines wertschätzenden Rahmens gewesen zu sein. Und darum geht es.
Events, die Geschichten erzählen
Was macht ein gutes Catering aus? Gibt es bestimmte Prinzipien, nach denen du arbeitest?
Für uns dreht sich alles um Gastfreundschaft. Wir müssen wissen, für wen wir arbeiten, und den passenden Rahmen schaffen – einen, der wirklich zum Anlass und zu den Gästen passt. Eine Currywurst kann dabei genauso ein gutes Catering sein wie ein exklusives Dinner. Entscheidend ist, dass eine stimmige Atmosphäre entsteht, in der die Gäste sich wohlfühlen.
Wir verstehen uns als Gastgeber*innen. Und genau darin steckt der Kern unserer Überzeugung: Unser Anspruch ist es unseren Gästen etwas mitzugeben, wir wollen für sie ein besonderes Erlebnis schaffen und sie emotional berühren. Deshalb ist es uns wichtig, jedes Event einzigartig zu machen. Bereits bei der ersten Anfrage sprechen wir mit unseren Kund*innen über Anlass und Ziel ihres Events und erfassen ihre individuellen Wünsche. Uns interessiert die Geschichte, die mit dem Event erzählt wird – denn jede Veranstaltung hat ihre eigene Zielsetzung und Bedeutung. So entstehen erste Ideen für die Ausgestaltung des Events und unsere Culinary Story.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Als geschäftsführende Gesellschafterin nehme ich meine Aufgaben wahr. Unter anderem mache ich morgens meine Runde im Büro – höre wie es den Mitarbeitenden geht, was es Wichtiges zu berichten gibt, wie die Events gelaufen sind. So bin ich immer gut informiert. Dann folgen Meetings, Kundentermine, Mitarbeitendengespräche. Meist endet mein Tag bei einer der Veranstaltungen, bei denen wir mit dem Catering beauftragt wurden.
Hast du einen bestimmten Lieblingssnack, ohne den du kaum auskommst?
Gutes Essen hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert und dass das möglich ist, dafür bin ich sehr dankbar! Ich esse fast alles gern, wenn es gut gemacht ist und könnte schon morgens Sushi oder die Minis von Madame Croissant essen.
Wir lehnen grundsätzlich alle Produkte ab, die in irgendeiner Form bedenklich sind – dafür gibt es bei uns eine Blacklist.
Welches Essen gehört deiner Meinung nach verboten? Gibt es ein Gericht, das du verabscheust?
Wir lehnen grundsätzlich alle Produkte ab, die in irgendeiner Form bedenklich sind – dafür gibt es bei uns eine Blacklist. So verzichten wir zum Beispiel auf Avocados, da ihr Anbau mit hohem Wasserverbrauch und oft langen Transportwegen verbunden ist. Wir kaufen regional und saisonal. Ich persönlich kann auf Rosenkohl gut verzichten.
Koch und Rockstar – haben die etwas gemein?
Koch und Rockstar brauchen die große Bühne! Wenn alles harmoniert, wird ein Catering wie ein gutes Konzert. Jeder spielt sein Instrument perfekt, damit am Ende ein richtig gutes Event daraus wird, das alle mitreißt.

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