Holzskulpturen im Schlosspark
Wer Köln mit dem Fahrrad besichtigt, sollte unbedingt am Schlosspark in Köln-Stammheim vorbei radeln. Foto: Picture Alliance

Fahrradtour zu Kölns Open-Air-Kunst

Von Autos mit Flügeln, aus Turmfenstern äugenden Pferden bis zu einer Kirche, von deren Turm die frohe Botschaft „Don’t Worry“ leuchtet – auf diesen circa elf Radkilometern gibt es Kunstwerke unter freiem Himmel satt.

Los geht die Fahrradtour durch Köln im rechtsrheinischen Norden: Die S-Bahn spuckt euch am Dünnwalder Kommunalweg aus, dem ihr in Richtung B8 erst mal folgt. Er wird zum Stammheimer Ring, über den es sich durch beinahe dörfliche Idylle bis zur Schlossstraße rollt, die schließlich vorbei an süßen Häuschen zum von zwei Steinlöwen bewachten Portal des Stammheimer Schlossparks führt.

Immer einen Ausflug wert: Stammheimer Schlosspark im Kölner Norden. Foto: Picture Alliance

Nach einem Schloss sucht man hier vergebens. Seit dem 12. Jahrhundert hatte hier ein Rittergeschlecht seinen Sitz, das im 18. Jahrhundert errichtete Gebäude überstand jedoch den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs nicht. An seiner Stelle erinnert heute die Skulptur des einstigen Portals daran. Es stammt von Herbert Labusga, der 2002 den hiesigen Skulpturenpark mit initiierte. Seitdem kommen jedes Jahr neue Plastiken, Installationen und Kunstwerke hinzu, mehr als 70 Stück sind es inzwischen. Der Park selbst wurde in den 1830er-Jahren nach dem Vorbild englischer Gärten gestaltet und so flaniert es sich wunderbar unter 200-jährigen Bäumen mit Blick auf spannende Gegenwartskunst.

Der nächste Kunst-Stopp ist der Skulpturenpark

Das Kunstwerk „Garden Gallery“ von Sou Fujimoto ist im Skulpturenpark in Köln zu bewundern. Foto: Picture Alliance

Genug gelustwandelt? Mit dem Fahrrad geht es nun immer geradewegs am Rheinufer entlang – vorbei an modernen Hochhäusern und alten Hafengeländen. Über die Zoobrücke macht ihr rüber aufs linke Rheinufer, wo mit dem Skulpturenpark Köln der nächste Kunst-Stopp wartet. Die Räder müssen draußen bleiben. Seit gut 25 Jahren lässt sich hier Kunst unter freiem Himmel bewundern, alle zwei Jahre wird im Rahmen der Ausstellung „KölnSkulptur“ neu kuratiert. Aktuell sind Werke großer Namen wie Anish Kapoor und Mary Bauermeister zu sehen.

Wieder vereint mit dem Rad folgt ihr dem Rheinufer immer auf den Dom zu. Unter der Hohenzollernbrücke hindurch und direkt rechts hinauf in Richtung Philharmonie steuert man geradewegs aufs nächste öffentliche Kunstwerk zu: Ma’alot (1986) von Dani Karavan, das die Gestaltung des Heinrich-Böll-Platzes als Gesamtkunstwerk umfasst. „Ma’alot“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Stufe“, die am augenfälligsten bei den sechs Stufen der knapp elf Meter hohen Skulptur an der Hohenzollernbrücke sind. Weitere Skulpturen und in die Pflastersteine integrierte Eisenbahnschienen greifen die Nähe des Hauptbahnhofs auf. Auch das Bodenmuster auf dem Platz vor dem Museumscafé ist wunderschön und einen Blick wert.

das Gesamtkunstwerk Ma'alot von Dani Karavan von vorn
Das Gesamtkunstwerk Ma’alot von Dani Karavan steht im nordöstlichen Teil der historischen Altstadt von Köln auf dem Heinrich-Böll-Platz. Foto: Picture Alliance

Steht da oben etwa ein Auto auf dem Dach?

Das nächste Stückchen muss das Rad eventuell geschoben werden: Je nach Stand der aktuellen Baustelle an Dom und Roncalliplatz führt der Weg links oder rechts um die gotische Kathedrale herum und über Trankgasse, Komödien- und Zeughausstraße zu einem wahrhaftigen Highlight: Steht da oben etwa ein Auto auf dem Dach? Eins mit Flügeln? Ja, richtig gesehen: Was da im Vorbeifahren oben glänzt, ist ein vergoldeter Ford Fiesta. Geschaffen hat das Flügelauto, das eigentlich den Titel „Der Goldene Vogel“ trägt, der Aktionskünstler HA Schult für eine temporäre Ausstellung 1989, seit 1991 steht es auf dem Dach des historischen Zeughauses in der Innenstadt. Ein guter Blick bietet sich übrigens, wenn man ein Stück weiterfährt und sich an der Kreuzung zur Straße „Auf dem Berlich“ einmal umdreht.

Auf der geht es anschließend zur nächsten Station: zum Richmodishaus. Wieder wandert der Blick nach oben, wo diesmal kein Auto vom Dach grüßt, sondern zwei Pferdeköpfe von einem Turm. Die vom Bildhauer Wilhelm Müller-Maus geschaffene Skulptur von 1958 nimmt auf eine Kölner Sage Bezug: Richmodis, Ehefrau eines Kölner Stadtrats, raffte die Pest im 14. Jahrhundert hinweg. Scheinbar, denn spätnachts kehrte die Scheintote als „Geist“ zurück in ihr Heim, wo ihr nur die Dienerschaft zu öffnen wagte. Als ihr Gatte hörte, wer eben an die Tür geklopft habe, soll er gesagt haben: Niemals, eher steigen meine Schimmel aufs Dach! Kaum ausgesprochen, klapperten mehrere Pferde die Stufen zum Turm hinauf und schauten aus dem Fenster.

Pop-Art am Neumarkt von Claes Oldenburg

Apropos interessanter Dachschmuck: Nur wenige Pedaltritte weiter ist der Neumarkt erreicht, wo es nach links zur „Eistüte“ der Pop-Art-Größe Claes Oldenburg geht, die er gemeinsam mit Coosja van Bruggen schuf. 2001 landete das überdimensionale und drei Tonnen schwere „Dropped Cone“ mit dem Vanillebällchen voran auf dem Dach der Neumarktgalerie. Warum? Wie so oft in Köln muss der Dom als mögliche Erklärung herhalten: An dessen Turmspitzen und somit an die Kölner Skyline soll das Werk laut Künstlerpaar erinnern. Und weil der Dom nun mal zwei Türme hat – zwar auch erst seit 1880, aber das ist eine andere Geschichte – sollten es eigentlich auch hier zwei Hörnchen werden. Warum es anders kam? Man wird wohl ewig spekulieren.

Die Eistüte von Claes Oldenburg auf dem Dach eines Kölner Hochhauses
„Dropped Cone“: Die Eistüte des Pop-Art-Künstlers Claes Oldenburg. Foto: Picture Alliance

Südlich des Neumarkts leuchtet zum Abschluss der Fahrradtour durch Köln die tröstliche Nachricht „Don’t Worry“ vom Turm der Kirche Sankt Peter. Der Neon-Schriftzug in mehreren Sprachen stammt von Turner-Preisträger Martin Creed. Auch ein Besuch der Kirche selbst sei ans Herz gelegt: Hier werden nicht nur Gottesdienste und Konzerte veranstaltet, seit 1987 ist die Kirche durch die Initiative des kunstsinnigen Jesuitenpaters Friedhelm Mennekes auch als „Kunst-Station Sankt Peter“ eine Topadresse für wechselnde Gegenwartskunst bekannt. Die glänzt übrigens neben einem echten Rubens („Kreuzigung Christi“). Halleluja!