Der Künstler Moritz Adam Schmitt in seinem Studio
Sülz ist seine Heimat und die Kunst ist sein Sprachrohr: Moritz Adam Schmitt bewegt sich stilistisch zwischen Pop Art, Illustration und Urban Art. Für „K wie Köln“ hat er sein Studio verlassen, um uns sein Sülz zu zeigen. Foto: privat

Heimat zwischen Hochhaus und Picknickdecke: mit Moritz Adam Schmitt durch Sülz

Mit seinen farbenfrohen Bildern erreicht Künstler Moritz Adam Schmitt inzwischen tausende Menschen über Social Media. Auf einer kleinen Veedelstour zwischen Kaffee, Kunst und Kindheitserinnerungen zeigt er uns die Orte, die Sülz für ihn zu einem Zuhause gemacht haben.

Leuchtende, kindlich verspielte Farben und comicartige Figuren prägen die Arbeiten von Moritz Adam Schmitt. Erst beim zweiten Blick wird deutlich, dass sich hinter der farbenfrohen Oberfläche Themen verbergen, mit denen sich Moritz kritisch auseinandersetzt: gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Beziehungen und die Widersprüche des modernen Alltags. Seine Bilder laden dazu ein, genauer hinzuschauen und vermeintlich Vertrautes zu hinterfragen.

Der Künstler Moritz Adam Schmitt in seinem Studio
Konzentriert kreativ: Moritz Adam Schmitt in seinem Sülzer Studio. Foto: privat

Ursprünglich hatte der Künstler einen anderen Weg eingeschlagen. Er studierte Mediendesign und arbeitete als Illustrator. Während der Corona-Pandemie suchte er nach einem Ausgleich zu den langen Tagen vor dem Bildschirm und begann zu malen. Was zunächst als persönliches Ventil diente, entwickelte sich nach und nach zu einer Karriere.

Heute organisiert Moritz eigene Ausstellungen und verkauft Drucke über seinen Onlineshop. Mehr als 100.000 Follower*innen schauen ihm auf Instagram dabei zu, wie er mit knalligen Farben kleine Geschichten erzählt. Neben Projekten für internationale Kunden widmet er sich zunehmend seiner freien künstlerischen Arbeit. Dabei setzt er Themen um, die ihn persönlich bewegen. 

Bei einem Spaziergang zeigt er uns die Orte, die ihn mit Sülz verbinden. Ein Veedel, in dem er seit seinem 2. Lebensjahr lebt und das er bis heute nicht verlassen möchte.

Zu Hause bei Moritz: Leben zwischen Leinwänden

Seit 8 Jahren lebe und arbeite ich in der Dachgeschosswohnung im Herzen von Sülz, in der Nähe der Sülzburg Straße. Meine Arbeit und mein Privatleben lassen sich also nur schwer trennen, was eigentlich ganz gut passt. Kreativität und Kunst nehmen in meinem Leben so viel Raum ein, dass die Grenzen zwischen Arbeit, Leidenschaft und alltäglichem Leben ohnehin miteinander verschmelzen. Außerdem ist so der Weg zur „Arbeit“ sehr kurz.

Der Künstler Moritz Adam Schmitt
In Moritz‘ farbenfrohen Bildern verstecken sich häufig Themen, die unsere Gesellschaft aktuell herausfordern: Ungerechtigkeit, Klimakrise, Ängste und Zweifel. Foto: privat

Mein heutiges Home Studio war eigentlich einfach mein Büro. Für meine illustrativen Arbeiten brauchte ich nie viel Platz. Da reicht eigentlich schon ein Schreibtisch. Seit ich male, wird es mit den ganzen Farben, Leinwänden und so weiter zugegebenermaßen ziemlich eng. Das erschwert die Arbeit und für manche Projekte fehlt mir schlicht der Platz. Perspektivisch werde ich meine Arbeit wohl in ein Atelier außerhalb der eigenen vier Wände auslagern, idealerweise dann aber ebenfalls in Sülz.

Uni-Center – Heimat in Sichtweite

Das Uni-Center zählt mit seinen 45 Etagen zu den größten Wohnhäusern Europas. Für viele ist es eines der markantesten Gebäude Kölns oder einfach nur ein riesiges Hochhaus. Für mich ist es ein Orientierungspunkt.

Moritz Adam Schmitt vor dem Uni-Center in Köln
Für manchen nur ein Hochhaus, für Moritz ein Orientierungspunkt: das Uni-Center Fotos: Pauline von Lehmden

Ich lebe seit meinem 2. Lebensjahr in Sülz. Das kann man vermutlich als „schon immer“ bezeichnen. Und egal aus welcher Richtung ich nach Hause komme – irgendwann taucht da dieses Hochhaus auf. Wenn ich aus dem Urlaub zurückfahre und das Gebäude sehe, weiß ich sofort: Da ist Sülz. Da ist Heimat.

Für mich markiert das Uni-Center das eine Ende des Veedels. Das andere werden wir später noch erreichen. Dazwischen liegt alles, was ich an Sülz mag. Als ich noch jünger war, wollte ich eigentlich nach Ehrenfeld ziehen. Das war damals das Viertel, das alle spannend fanden. Aber so richtig hat es mich dann doch nie aus Sülz herausgezogen. Dafür gefällt es mir hier einfach zu gut.

Impact Café – Treffpunkt für neue Ideen

Wenn es in meiner Dachgeschosswohnung im Sommer mal wieder über 40 Grad heiß wird, flüchte ich mich hierher. Da ich keinen Balkon habe, ist das Impact Café so etwas wie mein Outdoor-Büro geworden. Hier entwickle ich Konzepte, beantworte Mails und arbeite an neuen Projekten. Meine erste Ausstellung hatte ich übrigens auch hier. Deshalb verbinde ich mit dem Café besonders viel. Eigentlich steht dieser Ort stellvertretend für das, was gerade in Sülz passiert. Das Veedel wird jünger. Es entwickeln sich neue Ideen, Konzepte und Treffpunkte.

Moritz Adam Schmitt im Kölner Impact Café
Hier hatte Moritz seine erste Ausstellung: das Impact Café in der Luxemburger Straße. Fotos: Pauline von Lehmden

Im Impact wird ständig etwas ausprobiert: Speed-Dating, Zaubershows, Spritz-Abend – das Programm ist breitgefächert. Beim Spieleabend „Play & Connect“ kann man neue Leute kennenlernen, bei „Drink, Play, Draw“ gemeinsam kreativ werden. Das Essen ist rein vegetarisch, überwiegend vegan. Zurecht beliebt ist das Pancake-All-you-can-eat: Für einen fairen Preis gibt es veganen Pancake-Teig ohne Limit, den die Gäste selbst am Tisch auf der Pancake-Platte braten und mit einer großen Auswahl an Zutaten garnieren. Hier traut man sich, neue Dinge anzustoßen. Gleichzeitig bleibt alles angenehm nahbar. Ich bin mit den Geschäftsführern und einigen Mitarbeiter*innen befreundet. Manchmal darf ich auch Sachen testen, bevor sie auf die Karte kommen.

Außerdem mag ich die Werte, die hier gelebt werden. Die Betreiber des Cafés stecken auch hinter dem Impact-Startup Plastic2Beans, das mit fair gehandeltem Kaffee soziale und ökologische Projekte in Äthiopien unterstützt. Dieses Mensch-zu-Mensch-Gefühl sollte wieder einen größeren Stellenwert bekommen.

Weißhaus – Hinter verschlossenen Toren

Es gibt Orte, die jeder kennt, ohne sie wirklich je besucht zu haben. Das Weißhaus gehört für mich genau in diese Kategorie. Hinter den verzierten Gittern liegen ein Schloss, ein kleiner See und eine riesige Parkanlage. Von außen sieht man gelegentlich die Gärtner*innen bei der Arbeit oder die Gänse auf den Wiesen.

Eingang des Weißhauses in Köln
Vor den Toren vom Weißhaus: Die Kölner*innen müssen leider – meistens – draußen bleiben. Foto: Pauline von Lehmden

Viel mehr bekommt man nicht zu sehen. Da fragt man sich automatisch, wie es wohl hinter den Mauern aussieht. Im vergangenen Jahr gab es einen Tag der offenen Tür mit Führungen. Der Andrang war aber leider so groß, dass ich keinen Platz mehr bekommen habe.

Vielleicht macht genau das den Reiz aus: Das Schloss gehört irgendwie zum Veedel und bleibt trotzdem ein Geheimnis.

Weisshaus Kino – Kino mit Charakter

Wenn ich ins Kino gehe, dann am liebsten hier. Das Weisshaus Kino ist einfach eine Institution in Sülz. Es ist kleiner, persönlicher und irgendwie entschleunigter als die großen Multiplex-Kinos. Hier läuft eine gute Mischung aus Arthouse Filmen und Blockbustern. Genau diese Abwechslung gefällt mir.

Das Weisshaus Kino in Sülz
Kleines Kino, großer Anspruch: Das Weisshaus Kino setzt auf Arthouse-Filme. Fotos: Pauline von Lehmden

Seit Corona gehe ich zwar deutlich seltener ins Kino als früher. Trotzdem versuche ich bewusst, solche Orte zu unterstützen. Ich weiß selbst, wie herausfordernd es sein kann, als kleiner Betrieb oder Einzelunternehmer zu bestehen. Deshalb freue ich mich über jeden Laden, der Charakter hat und sich gegen die großen Ketten behauptet.
 

Berrenrather und Luxemburger Straße – Verkehrsachse mit Jeföhl

Wenn man verstehen möchte, wie Sülz funktioniert, muss man eigentlich nur über die Berrenrather Straße laufen. Hier trifft man Menschen, kauft ein, geht essen oder bleibt spontan auf einen Kaffee sitzen. Zusammen mit der Sülzburgstraße bietet sie das Herzstück des Veedels. Aber auch die Luxemburger Straße gehört für mich dazu. Viele nehmen sie vor allem als Verkehrsachse wahr, dabei verbindet sie die unterschiedlichen Seiten des Viertels miteinander.

Luxemburger Straße in Sülz
Unaufgeregte Flaniermeile: die Luxemburger Straße in Sülz. Foto: Pauline von Lehmden

Hier treffen alteingesessene Geschäfte auf neue Konzepte, Studierende auf Familien und Stammgäste auf Menschen, die gerade erst nach Sülz gezogen sind. In den vergangenen Jahren hat sich hier viel verändert. Neue Barkonzepte entstehen, junge Leute ziehen nach Sülz und Veranstaltungen werden größer. Trotzdem hat Sülz seinen ursprünglichen Charakter nicht verloren. Das gefällt mir besonders. Das Veedel entwickelt sich weiter, ohne sich komplett neu zu erfinden.

Beethovenpark und Pilzberg – die grüne Seite von Sülz

Während das Uni-Center für mich den urbanen Teil des Veedels symbolisiert, steht der Beethovenpark für das genaue Gegenteil. Hier endet mein Sülz.

Im Sommer sind die Wiesen voller Menschen. Überall liegen Picknickdecken, Kinder spielen Fußball und Gruppen sitzen bis in die Abendstunden zusammen.

Beethovenpark und Pilzberg
Idylle mit Aussicht: Beethovenpark und Pilzberg. Fotos: Pauline von Lehmden

Kurz vor dem Parkeingang liegt das Tom am Platz, ein inklusives Gastronomieprojekt, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten. Gerade im Sommer kann man hier wunderbar auf der Terrasse frühstücken.

Und dann ist da natürlich noch der Pilzberg. Wenn früher Schnee lag, wurde hier gerodelt. Dann verwandelte sich der Hügel in ein kleines Wintersportgebiet. Leider haben wir mittlerweile viel zu selten genug Schnee. Trotzdem ist dieser Ort für mich etwas Besonderes. Zwischen dem Uni-Center, das mich immer nach Hause führt, und dem Pilzberg, auf dem ich als Kind gerodelt habe, liegen nur wenige Minuten zu Fuß. Vielleicht ist das genau das Besondere an Sülz: Hier treffen Großstadt und Nachbarschaft, Veränderung und Vertrautheit unmittelbar aufeinander.

... findet ihre Geschichten oft zwischen Straßen, Menschen und kleinen Momenten, die im Alltag leicht untergehen. Aufgewachsen am Niederrhein, bewegt sie sich heute zwischen Großstadttrubel und Landluft. Wenn sie nicht schreibt, sucht sie auf Flohmärkten nach etwas Glitzerndem, stöbert durch kleine Buchhandlungen oder kauft das vermutlich tausendste Notizbuch ihres Lebens.

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