Köbesse
Martha Glahn und Anton Tomic – Köbesse im Peters Brauhaus in Köln. Foto: Marina Weigl

„Köbes, noch e Kölsch!“: Entertainer mit Bierkranz

In rheinischen Brauhäusern ­servieren keine Kellner, sondern die Köbesse. Schlagfertige ­Männer und Frauen, die es auch mal ruppig angehen und zupacken ­können.

Es gibt Fettnäpfchen, in die unweigerlich tritt, wer mit gewissen ­Gepflogenheiten nicht vertraut ist. Ein ausgestreckter Daumen wird in vielen europäischen Ländern als Lob empfunden – gilt aber in Australien und Teilen von Afrika als üble Beleidigung. Und ein aus Daumen und Zeigefinger geformter Kreis ist in Russland oder Griechenland kein positives Feedback, sondern eine obszöne Geste.

Achtung, Fettnäpfchen: Was ihr in Kölner Brauhäusern nicht sagen solltet

Wer sich in Kölner Brauhäusern unbeliebt machen möchte, ruft nach dem ­„Kellner“.  Mit diesem Titel können die Damen und Herren, die in traditioneller Tracht in den urigen Kneipen der Stadt ihre Gäste bewirten, wenig anfangen. Sie begreifen sich als eigenständige Berufsgruppe. Eine mit langer Geschichte.

Woher stammt der Begriff Köbes?

Wie lang genau die ist, das lässt sich ebenso schwer benennen wie der Ursprung der Bezeichnung „Köbes“. Irgendwann im 19. Jahrhundert sollen sich die Entertainer am Bierkranz etabliert haben – und ihr Titel leitet sich von der kölschen Form des Namens ­Jakob ab. Warum? Dazu gibt es verschiedenste Theorien, denen man bei einem oder fünf Kölsch lauschen kann.

Fest steht jedoch, dass Köbes und Köbine zum Inventar der Brauhäuser gehören. Sie sind die guten Geister des Bieres. Und der Gerstensaft fließt ununterbrochen – wenn der Gast die Regeln nicht kennt. Wer genug hat, muss einen Bierdeckel aufs Glas legen. Sonst wird stetig nachgeliefert: Kölschglas nach Kölschglas nach Kölschglas.

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Köbes sein – ein echter Knochenjob

Was den Gästen Freude bereitet, ist für die Frauen und Männer mit den Kölschkränzen nicht selten ein Knochenjob, wie Köbine Martha Glahn berichtet. „Im Schnitt rund 200 Gäste an einem Tag müssen bedient werden“, sagt sie. Die 63-Jährige aus dem Peters Brauhaus war ursprünglich im ­öffentlichen Dienst beschäftigt und stieg erst spät in die Gastronomiebranche ein.

Seit 2003 gehört sie zum Brauhaus-Team. „Obwohl Köbes ja traditionell ein Männerberuf ist, öffneten sich in den 1990er-Jahren immer mehr Brauhäuser der Idee, Köbinen einzustellen“, erzählt Glahn. In den zwei Jahrzehnten als Köbine habe sie sich ein „dickes Fell angeschafft“, denn es gebe durchaus mal Gäste, die ein wenig schwierig sind.

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Köbine Martha Glahn gönnt sich nach einem stressigen Tag auch gerne ein Glas Wein. Foto: Marina Weigl

Und wenn eine Schicht mal richtig stressig war? „Dann gönne ich mir abends ein schönes Glas Wein!“
Natürlich kommt privat bei der Köbine auch mal ein Kölsch auf den Tisch, wenn die Stimmung passt. Bei der Arbeit jedenfalls brauchen Köbes und Köbine einen klaren Kopf. Das weiß auch Martha Glahns Kollege: Anton Tomic macht seinen Job seit vier Jahrzehnten und gehört damit zu den dienstältesten Köbessen der Stadt.

Anton Tomic – einer der dienstältesten Köbesse in Köln

„Als Köbes erlebt man viel. Da gibt es schöne und lustige Anekdoten, aber genauso traurige Momente“, erzählt der 64-Jährige. Bevor er erstmals in den 1980ern in die Rolle des Köbes schlüpfte, traf sich der ehemalige Soldat der Armee Ex-Jugoslawiens immer wieder gern mit Köbessen der Domstadt auf ein Feierabendbierchen.

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Früher Soldat – heute Köbes im Brauhaus Peters: Anton „Toni“ Tomic. Foto: Marina Weigl

„Was die da so aus ihrem Berufsleben erzählten, dass reizte mich irgendwann natürlich“, sagt Tomic. Die traditionelle Kluft  habe ihm sofort gut gepasst, der Einstieg in den Job war unkompliziert.

Trotzdem: „Köbes sein, das ist nicht unbedingt für jeden was.“ Denn ein Köbes muss nicht nur Kölschkränze tragen und unterhaltsam sein – er muss auch ein offenes Ohr für die Gäste haben. Egal, wie redselig oder beschwippst die auch sein mögen.

Das muss man wollen. So wie der 55-Jährige Khalil Snafi.

Ein Köbes oder eine Köbine ist kein Kellner – Köbes, das ist eine Berufung!

Khalil Snafi, Köbes in Peters Brauhaus

„Nicht einmal der beste Oberkellner in einem schicken Restaurant wäre ein guter Köbes.“ Er muss es wissen, denn seit über zwanzig Jahren arbeitet der gebürtige Marokkaner im Brauhaus Früh am Dom.

Snafi begreift sich nicht als Bedienung oder Servicekraft, sondern als Entertainer mit Bierkranz. Seine Bühne ist direkt neben dem Tisch, beim Gast, wie er sagt. Bei all dem Stress zwischen Zapfhahn und Gast: Der Stolz auf die eigene Arbeit ist den Köbessen und Köbinen anzumerken und Martha Glahn bringt es den Punkt: „Köln ohne Köbesse? Das wäre wie Himmel und Äd ohne Flönz!“

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Khalil Snafi ist Köbes im Früh-Brauhaus am Dom. Foto: Birte Kaufmann