Kino Cinenova
Sandrine (li.) und Adrienne Borck betreiben das Cinenova. Foto: Fabian Paffendorf

Köln und seine Kinos: Eine Geschichte voll Pioniergeist

In Köln fand 1896 Deutschlands erste Film­vorführung statt. Bis heute steht die Stadt für besondere Kinos – und enthusiastische Betreiber*innen.

Kölner haben eine besondere Beziehung zum Kino. Eine, die bereits ihren Anfang nahm, bevor die ersten bewegten Bilder auf großen Leinwänden das Publikum in ihren Bann zogen.

Zu verdanken hat das die Rheinmetropole einem Unternehmer mit Pioniergeist und Faszination für die technischen Errungenschaften seiner Zeit. Seit der Kölner Ludwig Stollwerk (1857–1922) für die Waren seiner Schokoladenfabrik Verkaufsautomaten in der Stadt hatte aufstellen lassen, war sein Interesse an kommerziell verwertbarer Technik erwacht.

Schon 1882 beteiligte sich Stollwerk finanziell an internationalen Erfindungen, die „lebende Bilder“ erzeugen sollten. Unter der Ägide von Stollwerks Deutscher Automatengesellschaft (DAG) fand in Köln 1896 Deutschlands erste Filmvorführung statt. Auch die Kinosäle, die der Unternehmer ab 1906 bauen ließ, gehörten zu den ersten in Deutschland.

Blühende Landschaft

Dass Köln – Kriege, Krisen und TV-Geräten zum Trotz – auch über 100 Jahre später eine blühende Kinolandschaft zu bieten hat, ist den geistigen Erben Ludwig Stollwerks zu verdanken, die mit Enthusiasmus, Ideenreichtum und Liebe zum Medium Film an den Projektoren der Kölner Kinos stehen.

Zu den historischen Lichtspielhäusern Kölns, in denen man auch heute noch Filme auf der großen Leinwand bewundern kann, gehört auch das Odeon im Severinsviertel.

Dessen Geschichte begann im Jahr 1956 unter dem Namen „Rhenania“ – und endete vorerst Mitte der 1970er-Jahre, als den großen Sälen aufgrund der Verbreitung des Fernsehgerätes die Besucher vermehrt fernblieben. Zu dieser Zeit übernahm die Kölner Volksschauspielerin Trude Herr („Ich will keine Schokolade“) die Räume und machte daraus ihr Theater im Vringsveedel.

Tolle Kinos in Köln mit Tradition

  • Odeon
    Nostalgie und Gastronomie: Das traditionsreiche Lichtspielhaus hat auch ein Café und einen Biergarten.
  • Cinenova
    Hier gibt es den Komfort eines Multiplexkinos – mit Arthouse-­Programm.
  • Lichtspiele Kalk
    Rechtsrheinisch gelegen zeigt das jahrzehntealte Kino besondere Filme.
  • Rex am Ring
    Das von Catherine Laakmann betriebene Rex am Ring ist das älteste existierende Kino in Köln. Im Jahre 1928 unter dem Namen Lichtspiele des Westens eröffnet, war es der ­letzte Kölner Kinoneubau der Stummfilmära.
  • Metropolis
    Das Metropolis am Ebertplatz wurde bereits 1950 als Burgtheater Lichtspiele eröffnet. Seit 1986 besteht es in seiner jetzigen Form.
  • Weißhaus Kino
    1953 wurde das Theater am Weißhaus in Köln-Sülz eröffnet. In dem Kinotempel fanden bis zu 750 Besucher Platz. 1974 wurde das große Kino geschlossen. Übrig blieb das kleinere Studio im Nebengebäude, das heute noch den Charme der 1950er-Jahre atmet.
  • Filmpalette
    Die Filmpalette an der ­Lübecker Straße existiert seit den 1950er-Jahren und verzaubert Gäste mit ihrem nostalgischen Sternenhimmel an der Decke.
  • Off Broadway
    Unter dem Namen „Lupe“ bereits 1949 eröffnet, ist das Off Broadway heute ein Experte für Independent-Cinema.

Modernes Gesamtkonzept

Nachdem Herr den Theaterbetrieb wegen fehlender städtischer Zuschüsse in den 1980er-Jahren aufgab, wurde der Saal 1987 unter dem Namen „Odeon“ als Kino wiedereröffnet. Nach diversen Betreiberwechseln führt seit 2002 die Odeon Lichtspieltheater GmbH von Jürgen Lütz die Geschicke des Hauses. Neben einem nostalgisch gestalteten Saal bietet das Kino auch ein gemütliches Café samt Biergarten.

Ein modernes Gesamtkonzept aus Kino, Restaurant, Biergarten und Open-Air-Vorstellungen bietet auch die Familie Borck im Cinenova.

das Cinenova in Köln-Ehrenfeld
Interview mit Sandrine und Adrienne Borck vom Cinenova

Die Räume, die das Stadtteilkino in Ehrenfeld heute beherbergen, waren vormals ein Paketdepot des Logistikunternehmens UPS. Nachdem das Ehepaar Dieter und Martina Borck jahrelang in anderen Kölner Lichtspielhäusern tätig war, baute man 1996 die Räume zum Kino um.

Programmkino mit Multiplex-Ambiente

„Das Cinenova bietet Programmkinofilme in Multiplex-Atmosphäre“, fasst ­Sandrine Borck  zusammen, was das Stammpublikum am Kino so liebt. Zusammen mit ihrer Schwester Adrienne hat sie die Geschäftsführung des elterlichen Kinos übernommen.

Kinofreunde, die Wert auf historische Spielstätten legen und gerne auch abseitigere Filmperlen entdecken möchten, werden rechtsrheinisch in den Lichtspielen Kalk fündig. Jennifer Schlieper und Felix Seifert erfüllten sich Ende 2017 den Traum vom eigenen Lichtspielhaus.

Unter dem Namen „Union-Lichtspiele“ wurden in dem Saal von 1947 bis 1974 Filme gezeigt. In den vier Jahrzehnten ohne Kinobetrieb fungierten die Räume als Diskothek oder Freikirche: Predigten statt Projektoren. Als Pionierin der deutschen Filmvorführung erfindet sich die Kölner Kinoszene immer wieder neu. Dank mutiger Cineasten – und aus Liebe zur Leinwand.