Gasmotorenfabrik Deutz
Die Heimat des Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste. Im Hintergrund prangt das Logo der Gasmotorenfabrik Deutz. Foto: raum13 Kolacek&Leßle

Ein Industrieerbe als Kunstort und Zukunftsquartier: raum13 verwandelt die Gasmotorenfabrik Deutz

Nach über 3 Jahren Leerstand soll das Gelände der ehemaligen Gasmotorenfabrik in Köln – einst Standort der ersten Gasmotorenfabrik der Welt – wiederbelebt werden. Entstehen soll hier ein dauerhafter, kultureller Zukunftsort für die Stadt.

Mit Unkraut überwucherte Hinterhöfe, von Graffiti überzogene Wände, stillgelegte Rohre, die zwischen den Gebäuden hervorragen: Wo andere nur eine Ruine sehen, sehen Anja Kolacek und Marc Leßle einen Kulturort. Das Gelände der ehemaligen Gasmotorenfabrik in Köln ist für die beiden Kunstschaffenden kein Lost Place, sondern ein Raum für Kultur, Erinnerung und Zukunftsdebatten.

Die erste Gasmotorenfabrik der Welt – ein Kölner Erinnerungsort

Am Gebäude in der Deutz-Mülheimer-Straße prangt die Aufschrift „G.F.D.“ – das wohl markanteste Relikt aus der Vergangenheit der Gasmotorenfabrik Deutz. Wer das Gelände betritt, erkennt noch mehr Spuren von damals: robuste Ziegelsteinmauern, ein von der Decke hängender Kranhaken, eingestaubte Abluftrohre, verblasste Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Selbst der Geruch erzählt Geschichten: „In manchen Räumen riecht man noch, dass da mal eine Gießerei war“, erzählt Anja. Ein Anflug von Metall liegt in der Luft. In der früheren Vorstandsetage wiederum verströmten alte Teppiche und Gardinen aus den 1950er- und 1960er-Jahren noch immer den Zigarettengeruch vergangener Jahrzehnte, sagt Marc.

Anja Kolacek und Marc Leßle von raum13
Wo andere eine Brache sehen, sehen Anja Kolacek und Marc Leßle neuen Raum für Kultur. Foto: Anne Barth

„Für uns sind das nicht nur Mauern, sondern Generationen, die uns alles erzählen über die Welt, auf der wir stehen“, sagt Anja. „Da sind 150 Jahre gesellschaftlicher Wandel eingekernt.“

Anja und Marc haben unter dem Namen „raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“ von 2011 bis 2021 Theaterperformances, Konzerte und Ausstellungen auf dem Gelände realisiert, stets mit dem Ziel, die Spuren der Vergangenheit künstlerisch in die Gegenwart zu holen. Als die Stadt Köln 2021 rund 10.000 Quadratmeter des Areals für 21 Millionen Euro erwarb, war für beide klar: Eine neue Ära beginnt – und sie gingen in die Planung.

„Es ist ein Weltort”: raum13 bespielt die ehemalige Gasmotorenfabrik

Aus der kleinen Motorenfabrik im 19. Jahrhundert entwickelte sich im 20. Jahrhundert ein Großunternehmen: die Gasmotorenfabrik Deutz (später: Klöckner-Humboldt-Deutz-AG). Die Motoren wurden in alle Welt geliefert und mit ihnen eine Technologie, die entscheidend die Industrialisierung vorantrieb. „Es ist ein Weltort – der ist viel größer, als wir das begreifen können“, sagt Anja.

Für raum13 aber ist die industrielle Vergangenheit der Gasmotorenfabrik noch viel mehr als eine Kulisse – sie ist ein Ausgangspunkt, um aktuelle Fragen zu stellen. „Die Industrialisierung hat die Welt auf den Kopf gestellt. Heute erleben wir mit KI und Digitalisierung wieder einen riesigen Umbruch. Hier kann man sehen, wie so ein Wandel schon einmal stattgefunden hat – und man kann wunderbar die Zukunft darauf beschreiben“, so Anja.

Jonas Stickann beim Modeshooting in der Gasmotorenfabrik Deutz
Unser jährliches Modeshooting für das Print-Magazin „K wie Köln“ fand in den Räumlichkeiten der alten Gasmotorenfabrik statt, mit Designer Jonas Stickann als Model. Foto: Raphael Schumacher

Für unser Print-Magazin „K wie Köln“ nutzten wir diesen geschichtsträchtigen Ort als Kulisse: Designer Jonas Stickann posierte für uns in Unisex-Mode – in den Motiven fließen alle vermeintlichen Grenzen zwischen Stilen und Geschlechtern, Vergangenheit und Zukunft, Industrie und Kultur.

Öffnung der Höfe: Auftakt zur Sichtbarmachung der alten Gasmotorenfabrik mit raum13

Aus den ersten Plänen wird schon bald Realität: Anfang September will raum13 die Hinterhöfe des Geländes öffnen – mit einer großen Ausstellung, die mit Video, Sound, Texten, Bildern und Skulpturen arbeitet.

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste.
Raum für grünen Wildwuchs und Kreativität: das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste. Foto: raum13 Kolacek&Leßle

Die Höfe sollen auch als Bühne für Performances, Konzerte und andere künstlerische Formate dienen. Bis Ende Dezember ist ein durchgehendes Programm geplant, das Geschichte erlebbar macht – etwa, wenn ein Schauspieler aus Zeitzeugenberichten liest, die raum13 einst für ein Theaterstück gesammelt hat, während im Hintergrund Motorengeräusche zu hören sind.

Das Programm bleibt dabei bewusst offen. „Wir wissen nicht, was im September ist und was uns der Ort da zu sagen hat für die aktuelle gesellschaftliche und weltpolitische Lage“, sagt Marc.

Raumansicht der GasmotorenfabrikDeutz
Unsichtbares sichtbar machen: raum13 haucht der Fabrik neues Leben ein. Foto: raum13 Kolacek&Leßle

Stadtlabor, Büros, Wohnungen: Das soll in Zukunft aus der alten Gasmotorenfabrik werden

Doch die Höfe sind nur der Anfang. „Die Räume geben vor, was was man damit machen kann“, sagt Anja. So soll aus der alten Vorstandsetage ein Coworking-Space werden, in dem sich Unternehmen kurz- oder langfristig einmieten können – Teile wie der Bereich des ehemaligen Betriebsrats bleiben dabei erhalten. In einem weiteren ehemaligen Bürogebäude ist ein Stadtlabor geplant: eine offene Werkstatt, in der in Kooperation mit Hochschulen und Unternehmen geforscht und experimentiert wird. Perspektivisch können sich die beiden auch Studierendenwohnheime auf dem Gelände vorstellen.

Das Gelände soll die Entwicklung des gesamten Otto-Langen-Quartiers rund um die alte Gasmotorenfabrik anstoßen. Doch der Weg dahin ist ein langer Prozess: Bei laufenden Anträgen geht es nicht nur um künstlerische Konzepte, sondern auch um baurechtliche Vorgaben. Verantwortlich ist dabei ein Kernteam aus sieben Personen, unterstützt von rund 80 Ehrenamtlichen aus unterschiedlichen Bereichen.

„Wir hätten uns nie vorstellen können, uns so langfristig mit einem Projekt zu beschäftigen“, sagt Marc. Inzwischen wissen beide, dass die ehemalige Gasmotorenfabrik sie noch lange begleiten wird: „Es ist auch ein Ewigkeitsprojekt.“

…mag Latte Macchiato mit Hafermilch, gute Bücher (von Thrillern über Romance bis zu Magical Realism, das sie gerade erst für sich entdeckt hat) und ist immer auf der Suche nach besonderen Cafés oder leckeren (vegetarischen) Restaurants. Sie liebt es, neue Spots in der Stadt auszuprobieren und die besten Tipps mit anderen zu teilen.

Mehr Kölle

  • Es gibt einfach keine schönere Aussicht. Mit einem Kaltgetränk vom Büdchen kommt man auf den sonnengewärmten Steinstufen vom Rheinboulevard schnell…

  • Sie heißen Rheinauhafen, Rathenauplatz, Aachener Weiher. Aber hier gehts nicht um die einschlägig bekannten und besonders hippen Spots auf der…

0 Kommentare zu “Ein Industrieerbe als Kunstort und Zukunftsquartier: raum13 verwandelt die Gasmotorenfabrik Deutz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert