Schafherde grast auf grünem Feld vor Kölner Skyline mit Rhein und modernen Gebäuden
Idylle mitten in der Großstadt: Die Schafe, deren Wolle zu Teppichen verarbeitet wird, weiden gegenüber vom Rheinauhafen. Foto: Rheinwolle

Vom Rheinufer ins Wohnzimmer: Rheinwolle macht aus regionaler Wolle stylishe Teppiche

Lange Zeit wurde heimische Schafwolle als regionaler Rohstoff ignoriert und einfach entsorgt. Das Start-up Rheinwolle aus Köln verwandelt sie in ein Designprodukt.

Dieser Teppich hat es in sich: Er ist dick, gemütlich, und seine wollweiße Farbe passt zu nahezu jedem Einrichtungsstil. Aber was ihn wirklich besonders macht, ist sein Material. Das Hauptgarn besteht zu 100 Prozent aus Schurwolle von Schafen, die am Rheinufer grasen. Du holst dir also ein Stück Köln nach Hause.

Rheinwolle Teppiche aus Köln mit Schafslogo, 2024
Die Wolle für diesen Teppich stammt von Schafen, die am Rheinufer grasen. Foto: Rheinwolle

„Leider gibt es im Allgemeinen kein besonders ausgeprägtes Bewusstsein für natürliche Materialien und deren Vorteile“, erzählt Martin Hoffmann, der das Start-up Rheinwolle im Jahr 2024 gegründet hat. „Schafwolle etwa ist von Natur aus strapazierfähig, kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und sogar Schadstoffe aus der Luft filtern.“ Ein Teppich aus Schafwolle sieht also nicht nur gut aus, sondern verbessert auch das Raumklima, sagt der Architekt.

Schaf mit grasendem Schaf im Hintergrund vor moderner Kölner Skyline mit Rhein
Einmal jährlich werden die Schafe geschoren. Der Schäfer konnte die Wolle bislang kaum verwerten. Foto: Rheinwolle

Von der Idee zur Zusammenarbeit

Schon während seines Architektur-Studiums beschäftigte sich Martin mit Produktdesign und Nachhaltigkeit. Auch später ließ ihn das Thema nicht los. Eher zufällig kam er mit dem Wanderschäfer Thomas Schneider ins Gespräch, der seine Schafe auf den Rheinwiesen grasen lässt. Das war der Beginn ihrer Zusammenarbeit.

Der Schäfer konnte seine Wolle bislang kaum verwerten. Seine Bentheimer Landschafe, eine alte und bedrohte Haustierrasse, sind robust, anspruchslos und deshalb gut für die Landschaftspflege geeignet. Ihre eher grobe Wolle hat jedoch nicht die Qualität, die für die Herstellung von Kleidung gefragt ist. Deshalb fand der Schäfer seit längerer Zeit keinen Abnehmer*innen für die Wolle.

Wie lässt sich dieser wertvolle Rohstoff, der ohnehin mindestens einmal im Jahr anfällt, sinnvoll weiterverarbeiten? Martin begann zu recherchieren und fand eine Teppichweberei in Ungarn. Die Wolle der Bentheimer Landschafe eignet sich zwar nicht für feine Pullover, für Teppiche ist sie jedoch ideal. Bevor es an die Weiterverarbeitung geht, muss die Wolle nach der Schur zunächst gereinigt und dann zu Garn gesponnen werden. Leider gibt es in Deutschland keine Wollwäscherei mehr – aber in Belgien, nur rund eineinhalb Autostunden von Köln entfernt.

Weiße, ungesponnene Schafwolle in geöffneter, brauner Papiertüte auf hellem Hintergrund
Die Wolle der Schafe eignet sich zwar nicht für feine Wollpullover, aber für Teppiche. Foto: Rheinwolle

Rheinwolle aus Köln: Der Weg vom Schaf zum Teppich

So fährt nach der Schur im Mai ein Transporter voller Schafwolle direkt vom Hof des Schäfers nach Verviers in Belgien. Mindestens 500 Kilogramm Wolle kauft Hoffmann dem Schäfer ab; in der Wollwäscherei wird sie von Fett und Schmutz befreit und verringert dabei ihr Gewicht um etwa die Hälfte. Ein bayerischer Handwerksbetrieb verarbeitet die gereinigte Wolle dann zu Garn und schickt dieses anschließend an die ungarische Teppichweberei.

Weiße Schafwolle mit getrockneten Blumen und Gräsern auf hellem, neutralem Hintergrund
Die Wolle wird in Belgien gewaschen, in Deutschland zu Teppichgarn verarbeitet und in Ungarn zu Teppichen gewebt. Foto: Rheinwolle

Weil die Produktion so viele unterschiedliche Schritte enthält und die Schafe nur einmal im Jahr geschoren werden, ist die Lieferzeit vergleichsweise lang. Kund*innen bestellen ihren Jahrgangsteppich von Rheinwolle nach der Schur im Mai, geliefert wird dann im Dezember. Dafür erhalten sie ein langlebiges Naturprodukt, das sich auch noch recyceln lässt. „Wenn der Teppich irgendwann nicht mehr benutzbar ist, lassen sich aus dem Material neue Produkte entwickeln, etwa Polster- oder Dämmmaterial“, sagt Martin Hoffmann.

Ein Kölner Naturrohstoff mit Zukunft

Bislang wird das Projekt gut angenommen. „Ich bin sehr zufrieden, wir haben im letzten Jahr eine Tonne Wolle verarbeitet“, sagt Hoffmann. Sein Ziel sei es, dem Schäfer künftig die komplette Schur von etwa 1,5 Tonnen abzunehmen. Daraus ließen sich rund 300 Quadratmeter Teppich herstellen.

Holz- und Pappelemente auf weißem, strukturiertem Teppich mit neutralem Hintergrund
Teppich mit Mehrwert: Schafswolle reguliert auch die Luftfeuchtigkeit und verbessert so das Raumklima. Foto: Rheinwolle.

Mittelfristig möchte der Gründer außerdem neue Produkte entwickeln – gern auch in Kooperation mit anderen Designer*innen und Hochschulen. Denkbar seien etwa Modelle mit gefärbter Wolle, zum Beispiel in Indigo- oder Rosétönen aus Avocadoschalen. Mit der Textildesignerin Sanja Lulei gibt es bereits eine schöne Zusammenarbeit: Sie kombiniert das Garn von Rheinwolle mit anderen Materialien und fertigt daraus in ihrem Studio kunstvolle Einzelstücke.

Wer Interessen an einem Teppich hat, kann online bei Rheinwolle in Köln eine Bestellung aufgeben. Aktuell sind noch Restbestände der Wolle aus dem Jahrgang 2025 übrig, mit einer verkürzten Lieferzeit von circa acht Wochen.

... schreibt am liebsten über Lebensstil, Genuss und nachhaltigen Konsum – und besonders gerne über Gastronomietrends und die Menschen dahinter. Für das Köln Magazin hat sie unter anderem dem Küchenchef des Sternerestaurants Pottkind in die Töpfe geguckt.

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