Mode, Nachhaltigkeit und Handarbeit gehören für Tamina Orenda untrennbar zusammen. Seit 4 Jahren lebt Tamina in Köln, sie arbeitet hauptsächlich als Schneiderin für Film und Fernsehen. Nebenbei beschäftigt sie sich auf Social Media mit Mode, Upcycling und DIY-Projekten. Sie möchte ihre Follower*innen inspirieren, Kleidung und Materialien bewusster wahrzunehmen – und ihnen ein möglichst langes Leben zu schenken.
Ihre Begeisterung für Handarbeit wurde ihr in die Wiege gelegt: Die Großmutter brachte ihr Sticken und Häkeln bei, mit der Mutter bastelte und zeichnete sie. Das Nähen, ihre Leidenschaft, hat sie inzwischen zum Beruf gemacht.
Ein prägender Moment war ein Praktikum bei Hand & Lock, das sie 2019 während der Modeschule absolvierte. Die Geschichte des Londoner Stickereihaus reicht bis ins Jahr 1767 zurück. Tamina lernte dort nicht nur verschiedene Sticktechniken kennen, sondern erkannte auch, wie viel Wissen in alten Handarbeitstechniken steckt. Stoffe waren früher kostbar und teuer. Man konnte es sich nicht leisten, Reste wegzuwerfen – vieles wurde weiterverarbeitet und möglichst vollständig genutzt.
Für ihre Abschlusskollektion entwickelte Tamina deshalb eine Zero-Waste-Kollektion. Die Schnitterstellung einer Jeansjacke, für die sie normalerweise ein bis zwei Stunden kalkuliert, dauerte nach dem Zero-Waste-Prinzip ganze 14 Stunden. Diese Herausforderung weckte ihren Ehrgeiz. Nach ihrem Abschluss war klar: Mit nachhaltiger Mode möchte sie sich weiter beschäftigen.
Tamina nimmt uns mit auf eine Tour durch ihre ganz persönliche Modewelt. Von Stoffen und Nähzubehör über nachhaltige Labels bis hin zu Vintage-Läden und Flohmärkten zeigt sie uns Orte, an denen sie Inspiration findet. Wie sie dort Ideen sammelt? Das erzählt sie uns beim Spaziergang von Shop zu Shop.
Shoppingtour mit Tamina Orenda: 8 Spots im Überblick
- Selfmade: Wo Stoffe zu Ideen werden
- LANIUS: Schnelle Inspiration durch Slow Fashion
- ARMEDANGELS: Reparieren statt wegschmeißen
- Think Twice: Vintage als Schatzsuche
- Köln City Vintage & Flohmärkte: Stoffe mit Geschichte
- Fairfitters: Jagd auf Material
- Blutsgeschwister: Nachhaltige Mode darf bunt sein
- Hempies: Vegane Stadtbummel-Pause
Selfmade: Wo Stoffe zu Ideen werden
Wir starten unsere Tour bei Selfmade. Für mich ist das ein riesiger, sehr gut sortierter Stoff- und DIY-Laden. Hier findet man alles, was man für ein Nähprojekt gebrauchen kann: Stoffe, Garne, Knöpfe, Reißverschlüsse, Schnittmuster und jede Menge Zubehör. Wenn ich etwas Bestimmtes suche, weiß ich einfach: Auf Selfmade kann ich mich verlassen.
Eigentlich kaufe ich sehr wenig neu. Manchmal brauche ich aber doch etwas – und sei es nur Nähseide in der richtigen Farbe. Und dann komme ich hierher.
Ich bin ein sehr haptischer Mensch. Ich liebe es, Stoffe anzufassen und mir einen Spaß daraus zu machen, zu erraten, aus welcher Zusammensetzung sie bestehen. Für mich ist das schon Teil des kreativen Prozesses.
Viele Ideen für neue Projekte finde ich auf Pinterest. Gerade versuche ich, meinen Keller etwas leerer zu bekommen. Der ist bis unter die Decke mit Stoffen gefüllt. Ich nähe daraus Dinge, die meine Follower*innen dann gewinnen können. So bekommen Materialien, die bei mir schon länger herumliegen, ein neues Leben.
LANIUS: Schnelle Inspiration durch Slow Fashion
Von den Stoffen geht es weiter zu LANIUS. Das Kölner Label gibt es seit 1999, und in den Boutiquen findet man neben der eigenen Kollektion auch weitere nachhaltige Marken und Accessoires.
Ich gehe gerne in Fairfashion-Boutiquen, weil ich dort Stücke finde, die mich lange begleiten. Oft merkt man schon beim Anfassen, wie hochwertig ein Kleidungsstück verarbeitet ist – gerade im Vergleich zu vielen Fast-Fashion-Teilen.
ARMEDANGELS: Reparieren statt wegschmeißen
Bei ARMEDANGELS interessiert mich nicht nur die Kleidung, sondern auch das, was dahintersteht. Die Kölner Marke hat ihren Store in der Ehrenstraße und bietet auch einen Reparaturservice an.
Das finde ich wichtig. Wir haben uns daran gewöhnt, Kleidung wegzuwerfen, sobald sie einen kleinen Makel hat. Dabei kann man so vieles reparieren. Für mich ist ein Loch nicht automatisch ein Wegwerfgrund.
Beim Nähen geht es ums Austesten: Wie bekomme ich etwas so hin, wie ich es haben möchte? Dieses Tüfteln ist der Kern meiner Arbeit als Schneiderin. Und genau diese Haltung kann man auch auf den eigenen Kleiderschrank übertragen.
Reparieren bedeutet schließlich nicht nur, ein Kleidungsstück länger zu behalten. Es bedeutet auch, sich wieder mit dem Stück auseinanderzusetzen – und herauszufinden, was noch daraus werden kann.
Falls mein Lieblingsstück von ARMEDANGELS – die MURLIAA Jeans – vom vielen Tragen irgendwann einmal schlappmacht, geht sie bei mir nicht in den Müll, sondern wird repariert. Wer das nicht selbst kann, bringt das Teil einfach direkt zum Reparaturservice.
Think Twice: Vintage als Schatzsuche
Bei Think Twice wird aus dem Shoppen eine Schatzsuche. Der Vintage- und Second-Hand-Laden hat mehrere Standorte in Köln. Für mich geht es dort darum, Dinge zu entdecken, mit denen ich vorher überhaupt nicht gerechnet habe.
Wenn ich für ein Upcycling-Projekt in Vintage-Läden stöbere, suche ich zuerst nach meiner Farbe. Ich liebe zum Beispiel Rottöne und besondere Muster. Wenn mir etwas auffällt, schaue ich genauer hin: Wie wurde das Teil gefertigt? Gibt es besondere Stickereien oder eine interessante Verarbeitung? Und eignet es sich für ein Projekt, das ich gerade im Kopf habe?
Ich finde es unglaublich spannend, welche Schätze man in Vintage-Läden findet. Mal ist es ein selbstgenähtes Teil aus irgendeiner privaten Nähstube, mal ein ausgefallenes Piece mit japanischem Label und dann wieder ein Designer-Blazer.
Köln City Vintage & Flohmärkte: Stoffe mit Geschichte
Ein weiterer Lieblingsort ist Köln City Vintage am Friesenwall. Vintage-Läden sind für mich nämlich auch eine riesige Materialquelle.
Wenn man etwas nähen möchte, muss man schließlich nicht immer neuen Stoff kaufen. Vorhänge und Tischdecken eignen sich toll als große Stoffbahnen. Mein Geheimtipp sind Faltenröcke: Wenn man den Bund abtrennt und die Falten ausbügelt, hat man oft mehr als einen Meter Stoff zum Verarbeiten.
Auch auf Flohmärkten werde ich gerne kreativ. Dort finde ich Ketten, die sich einfach auftrennen lassen, und verwende die Perlen für eigene Projekte.
Ich habe sogar eine Second-Hand-Wunschliste. Manche Menschen kritisieren Second Hand, weil es die Sachen nur einmal gibt oder nicht in der richtigen Größe. Ich sehe das als Herausforderung. Wenn ich etwas nicht finde, schreibe ich auf, was ich suche. Dann wird daraus ein langfristiges Projekt.
Seit circa 4 Jahren bin ich zum Beispiel auf der Suche nach einem Paar roter Stiefel in Größe 38. Falls jemand welche sieht …
Fairfitters: Jagd auf Material
Weiter geht es, ins Belgische Viertel zu Fairfitters. Der Eco-Fashion-Concept-Store in der Brüsseler Straße führt viele faire und nachhaltige Marken.
Für mich ist das hier eine Art Window-Shopping mit den Händen. Ich kann neue Materialien kennenlernen, Farben vergleichen und mich inspirieren lassen.
Gerade bei Fairfitters entdecke ich immer wieder Dinge, die sich gut in meinen Alltag integrieren lassen – zum Beispiel die gerippten Socken von MELAWEAR. Die sind schlicht, hochwertig und durch die kleine Stickerei trotzdem besonders. Nachhaltigkeit und Spaß an Mode schließen sich für mich nämlich überhaupt nicht aus. Und manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die lange Freude machen – ob als Ergänzung für den eigenen Kleiderschrank oder als Geschenk für jemanden, dem man eine nachhaltige Freude machen möchte.
Blutsgeschwister: Nachhaltige Mode darf bunt sein
Zum Schluss unserer Shoppingrunde geht es zu Blutsgeschwister in der Brüsseler Straße. Die Marke ist für farbenfrohe Muster, verspielte Schnitte und einen sehr eigenen Stil bekannt.
Das passt gut zu mir. Ich finde, nachhaltige Mode darf Spaß machen. Nur weil man bewusster konsumiert, muss man ja nicht auf Farbe, Muster oder ausgefallene Schnitte verzichten.
Ich freue mich zum Beispiel schon auf die bunte Herbstmode. Gerade wenn eine neue Kollektion herauskommt, finde ich es spannend zu schauen, welche Farben und Muster mich ansprechen und ob etwas dabei ist, das ich mir gut in meinem eigenen Kleiderschrank vorstellen kann.
Besonders schön finde ich, dass es hier auch eine Pre-Loved-Stange gibt. Dort bekommen bereits getragene Blutsgeschwister-Teile eine zweite Chance. Für mich passt das perfekt zu dem Gedanken, der sich durch unsere ganze Tour zieht: Ein Kleidungsstück muss nicht neu sein, um etwas Besonderes zu sein. Manchmal ist es gerade die Geschichte, die ein Teil schon mitbringt, die es interessant macht.
Hempies: Vegane Stadtbummel-Pause
Nach so viel Stoff, Kleidung und Stöbern brauche ich eine Pause. Dafür geht es zu Hempies. Das vegane Bistro steht für handgemachte, komplett pflanzliche Frühstücks- und Brunch-Kreationen.
Mein absoluter Favorit ist das Panini mit Flammkuchenfüllung, Tomate und Schnittlauch. Und der Brownie ist auch superlecker – der perfekte Abschluss für unseren Tag.
Was ich an dieser Route mag: Sie ist keine klassische Shoppingtour. Es geht ums Entdecken, Anfassen, Ausprobieren und darum, sich inspirieren zu lassen. Manchmal findet man ein Kleidungsstück, manchmal einen Stoff und manchmal einfach nur eine Idee.
Vielleicht ist das für mich auch die schönste Form von Nachhaltigkeit: nicht immer nach dem Neuen zu suchen, sondern erst schauen, was schon da ist – und was daraus noch entstehen kann.


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