Menschen machen Musik auf dem Ebertplatz.
Der Ebertplatz ist für viele Kölner*innen mehr als eine freie Fläche – er ist ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft. Foto: EBI e.V.

Blumen, Beats und Beton: Ebertplatz reloaded

Hier wird gegärtnert, getanzt und gesungen. Doch was hält all diese unterschiedlichen Aktivitäten eigentlich zusammen? Wir treffen die Menschen, die den Ebertplatz mitgestalten – und entdecken einen Ort, der in keine Schublade passt.

Am Ebertplatz ist eigentlich immer jemand auf dem Sprung. Zur U-Bahn. Richtung Eigelstein. Richtung Agnesviertel. Durch die Passage, schnell weiter. Köln in Bewegung – und mittendrin ein brutalistischer Betonklotz, ein Platz, den man nicht auf Anhieb schön finden muss. Doch an diesem Mittwochabend bleiben ein paar Menschen stehen.

Am Springbrunnen werden Gießkannen mit Wasser gefüllt. Eine große Rollkiste voller Gartenzubehör steht bereit. Dann geht es los. Die Ehrenamtlichen der AG Begrünung ziehen zu den Beeten, gießen, jäten und schneiden zurück. Rundherum rauscht der Stadtverkehr, Fahrräder rollen vorbei – der Ebertplatz macht einfach weiter.

„Man muss schon genau hingucken“, sagt Hannah vom EBI e.V., der Bürger*innen-Initiative. Denn wer nur schnell vorbeiläuft, sieht vor allem das, was der Ebertplatz über Jahre in Kölns kollektives Gedächtnis eingebrannt hat: einen grauen Transitort, einen Problemplatz. Wer genauer hinsieht, entdeckt eine andere Geschichte. Blumen und Bäume, Kunst und Gastronomie – und vor allem Kölner*innen, die sich diesen Ort aneignen.

Seit 2018 kümmert sich die AG Begrünung darum, den Ebertplatz zu verschönern. Fotos: Pauline von Lehmden

Der Verein EBI e.V. ist der Zusammenschluss der Menschen und Organisationen, die sich hier engagieren: Anwohner*innen, Kunst- und Kulturschaffende, regelmäßige Besucher*innen sowie Vereine, Initiativen, Kunsträume und lokales Gewerbe. Rund 40 Mitglieder zählte der Verein Ende 2025.

Der EBI e.V.: Ein Verein für den ganzen Ebertplatz

Die Geschichte dieses Engagements reicht weiter zurück als die Gründung des EBI e. V. Ende 2025. Bereits seit 2018 wird die Zwischennutzung von der Stadt unterstützt. Doch schon zuvor engagierten sich die Künstler*innen in der Passage für den Ebertplatz. Mit dem EBI gibt es nun eine gemeinsame Struktur für die unterschiedlichen Akteur*innen. Der Verein versteht sich als Schnittstelle zwischen Politik und Stadtgesellschaft. Hier laufen die Ideen für den Platz zusammen.

Und das ist gerade wichtiger denn je: Wegen der angespannten Haushaltslage kürzte die Stadt die Gelder für die Fortsetzung des Platzprogramms auf rund 260.000 Euro pro Jahr inklusive Personalkosten – also auf weniger als die Hälfte des bisherigen Budgets. Besonders kostenintensive Formate wie die großen EbertPlatz- und EbertPänzKonzerte fallen weg.

Mehrere Menschen sitzen auf dem Ebertplatz und befassen sich mit unterschiedlichen Aktivitäten.
Vor allem im Frühling und Sommer wird der Ebertplatz richtig lebendig. Foto: EBI e.V.

Möglich bleiben vor allem kleinere, kostengünstigere Angebote: Flohmärkte, Kinder-, Spiel- und Bewegungsangebote, Konzerte mit unverstärkter Musik oder Quizformate. Der EBI setzt stärker auf Eigenengagement, neue Kooperationen und Fördergelder. Gleichzeitig hat der Verein mit einer Petition für den Erhalt des Platzprogramms mobilisiert.

Programm auf dem Ebertplatz: Salsa auf Beton

Denn das Programm bringt Leben auf den Platz, es ist sozialer Klebstoff für die Stadtgemeinschaft. Dieser Vibe entsteht zum Beispiel beim Salsa-Abend, wenn die Betonfläche zur Tanzfläche wird. Musik läuft, Paare drehen ihre Runden, Schritte werden ausprobiert. Passant*innen bleiben stehen und wippen im Takt mit. Salsa auf dem Ebertplatz: Was zunächst ungewöhnlich klingt, passt bei genauerem Hinsehen erstaunlich gut.

Dieser Platz ist eine Bühne für viele Facetten: Dance Battles und Mitsingkonzerte gehören ebenso zum Programm wie Kino, Konzerte, Flohmärkte, Tischtennis-Rundlauf, Workshops, Kinderangebote und offene Mitmachformate. Mit FriesTV wird der Betonfries an der Ebertplatzpassage zur 55 Meter langen LED-Leinwand für Videokunst. Dazu kommen Führungen wie die zu den „Stillen Helden vom Ebertplatz“, den 26 Baumarten, oder Formate wie die EBIgames, ein sportliches Team-Turnier. Vieles ist kostenlos. Und wer lieber zuschaut als mitmacht, hat auch seinen Platz.

Eine Menschenmenge steht auf dem Ebertplatz – Anlass ist ein Kulturprogramm im Frühling 2026.
Der Ebertplatz ist ein Ort, an dem immer etwas passiert. Im Frühjahr 2026 wurde gesungen, ausgestellt, ausprobiert und gemeinsam gestaltet. Fotos: EBI e.V.

Kunst mitten im Alltag

Zum Beispiel in einer der 4 Galerien mit wechselnden Ausstellungen, die von den Galerien selbst organisiert werden. Kunst findet hier nicht in einem abgeschlossenen Museumsraum statt, sondern mitten im Alltag. Wer eigentlich nur auf dem Weg zur U-Bahn ist, kann plötzlich in einer Ausstellung stehen.

Der Künstler Marc Müller beschreibt den Ebertplatz deshalb als Ort für zeitgenössische Kunst, mitten in der Innenstadt. Auch der Beton selbst erzählt eine Geschichte: Der Baustil Brutalismus ist für manchen sperrig, für andere ein Stück Stadtgeschichte, das man bewahren muss. Müller findet: Man sollte Dinge nicht vorschnell aufgeben. Schließlich könnte es passieren, dass man sie irgendwann schön findet.

An der Verschönerung arbeitet man hier gemeinsam. Als das Containercafé einen neuen Anstrich brauchte, halfen Künstler*innen mit. Heute leuchtet es im Kölner Brückengrün. Eine kleine Geste, die ziemlich gut beschreibt, wie dieser Ort funktioniert.

Ebertplatz als Wohnzimmer für Köln

Der Ebertplatz zeigt sich besonders dann von seiner lebendigen Seite, wenn die Betonfläche zur Bühne wird. Bei Karaoke-Abenden werden die Liedtexte auf die Betonwände des Ebertplatzes projiziert. Menschen bleiben stehen, greifen zum Mikrofon und singen mit – mal sicher, mal schief, aber meistens gemeinsam. Für einen Abend wird der Platz zum großen Wohnzimmer.

Eine Menschenmenge steht auf dem Ebertplatz und lauscht einem Auftritt.
Ob stilles Zuhören oder lautes Mitsingen – Musik verbindet die Menschen auf dem Ebertplatz. Foto: EBI e.V.

Das Containercafé ist bei solchen Veranstaltungen ein wichtiger Anlaufpunkt. Es versorgt die Besucher*innen mit Essen und Getränken, schafft aber auch eine Verbindung zwischen den einzelnen Angeboten. Wer zum Tanzen oder zur Musik kommt, kann dort vorher etwas trinken. Wer eigentlich nur vorbeigehen wollte, bleibt vielleicht wegen der Atmosphäre.

All das macht den Platz zu einem ungewöhnlichen öffentlichen Raum. Er ist nicht fertig erzählt. Jeder kann ein Stück hinzufügen.

Bitte (stehen) bleiben

Als die letzten Gießkannen wieder in der Rollkiste verschwinden, ist es fast dunkel. Ein paar Menschen sitzen noch vor dem Containercafé. Der Verkehr ist derselbe wie vorher. Der Beton auch. Aber zwischen den großen Linien des Platzes sind kleine Spuren geblieben: gegossene Beete, Licht aus den Galerien, Stimmen, Musik und das leise Pingpong von der Tischtennisplatte.

... findet ihre Geschichten oft zwischen Straßen, Menschen und kleinen Momenten, die im Alltag leicht untergehen. Aufgewachsen am Niederrhein, bewegt sie sich heute zwischen Großstadttrubel und Landluft. Wenn sie nicht schreibt, sucht sie auf Flohmärkten nach etwas Glitzerndem, stöbert durch kleine Buchhandlungen oder kauft das vermutlich tausendste Notizbuch ihres Lebens.

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