Vier Köpfe von Schauspiel Köln
Rebekka Biener, David Vogel, Nicole Kechavarz und Joschka Tschirley von Schauspiel Köln freuen sich auf die nächste Spielzeit am Offenbachplatz. Collage: raufeld

Schauspiel’s coming home! Alles neu am Offenbachplatz

Im September startet das Schauspiel die Spielzeit 2026/27 am neuen, alten Standort: den Bühnen Köln am Offenbachplatz. Oper, Kinderoper, Kleines Haus und Schauspielhaus – worauf kannst du dich jetzt freuen? Einblicke in die neue Spielstätte und Insider-Tipps für deinen nächsten Theaterbesuch gibt’s vom Schauspiel Köln-Team.

Vorhang auf: Am 19. und 20. September öffnen die Bühnen Köln nach rund 14 Jahren Sanierung feierlich ihre Türen. Schon jetzt kannst du online Tickets für die nächste Spielzeit kaufen. Also: Was lohnt sich?

Das Schauspiel Köln kehrt von der Interimsspielstätte, dem Depot in Mülheim, an seinen Heimatort zurück. Eins ist klar: Auch in der kommenden Spielzeit trifft hier Poesie auf Politik, Komödie auf Klassiker, Gesellschaftskritik auf essayistische Analysen. Intendant Kay Voges holt die großen Themen auf die neuen Bühnen.

Aber: Was macht die neue Spielstätte aus? Und worauf freut sich das Team vom Schauspiel selbst am meisten? 4 Menschen aus 4 verschiedenen Gewerken erzählen, was sie jetzt bewegt und begeistert.

Darauf freut sich das Team von Schauspiel Köln am meisten

Porträt von Rebekka Biener aus dem Ensemble bei Schauspiel Köln
Rebekka Biener, Schauspielerin am Schauspiel Köln. Foto: Dragosits / raufeld

K wie Komödie: Die nächste Spielzeit begeistert mit Humor

Rebekka Biener, Schauspielerin beim Schauspiel Köln

Ich bin seit der letzten Spielzeit Schauspielerin im Ensemble. Das ist das dritte Theater, an dem ich arbeite. Vorher war ich in einer kleineren Stadt. Jetzt wieder in so eine große Stadt zu gehen – darauf hatte ich große Lust.

Natürlich freue ich mich auf das neue Gebäude und auf diese Bühne, die so viel erlebt hat. Ich finde es spannend, dass man sowohl im Zuschauerraum als auch auf und hinter der Bühne gemeinsam so ein Erwachen mitbekommt. Wenn ich zum ersten Mal auf eine neue Bühne komme, stelle ich mir immer vor, was dort schon alles stattgefunden hat. Ich finde die Bühne im neuen Schauspielhaus allein deshalb so besonders, weil sie jetzt so lange nicht bespielt war – und davor so viel. Manchmal frage ich mich, was sie wohl sagen würde. Sie hätte sicherlich einen pragmatischen Satz parat zu dem, was sie erlebt hat und was jetzt kommt. Sowas wie: Et hätt noch immer jot jejange.

Ich mag es, wenn man von etwas niedergeschmettert wird, aber gleichzeitig darüber lachen kann.

Die vergangene Spielzeit hat viele existenzielle, schwere Stoffe behandelt. Es passt gut, dass nach dieser großen Ernsthaftigkeit im neuen Programm häufiger etwas Komödiantisches stattfindet – denn ich lerne Köln als sehr humorvolle Stadt kennen, die auch in der Schwere eine Leichtigkeit findet. Das ist ein Faden, der sich durchzieht.

Mein persönliches Programm-Highlight? Es fällt mir immer schwer, mich festzulegen. Ich bin sehr gespannt auf Kaspar von Peter Handke in der Regie von Claudia Bauer. Das Stück kann in seiner Kuriosität super in Köln aufleben. Claudia Bauer hat einen wahnsinnig energiegeladenen Humor, der einen wunderbar packen kann.

Auch Eine Sache der Auslegung von Olga Bach, die sich mit der Absurdität des Rechtssystems auseinandersetzt, finde ich sehr spannend, weil ich da wieder so etwas Kurioses drin sehe. Ich mag es, wenn man von etwas niedergeschmettert wird, aber gleichzeitig darüber lachen kann.

Und ein Stück finde ich besonders wichtig: Es heißt Fatigue und ist eine Co-Produktion mit Studio Trafique, einem freien Theater hier in Köln. Das Stück setzt sich unter anderem mit Künstler*innen, die von ME/CFS betroffen sind, auseinander und gibt der Erkrankung dadurch Sichtbarkeit.

Porträt von David Vogel, Theaterpädagoge am Schauspiel Köln
David Vogel, Theaterpädagoge bei Schauspiel Köln. Foto: Ana Lukenda / raufeld

Partizipation und neue Perspektiven bereichern das Programm

David Vogel, Theaterpädagoge beim Schauspiel Köln

Ich bin jetzt seit 7 Jahren beim Schauspiel Köln und als Theaterpädagoge verantwortlich für den Bereich Theater Stadt Schule. Das ist die partizipative, theaterpädagogische Abteilung am Haus. Wir sind zuständig für sämtliche Formate, in denen es schwerpunktmäßig ums Mitmachen, ums Partizipieren oder um vertiefende Einblicke in den Spielplan geht. Und zwar – ganz wichtig – für alle Menschen.

Deshalb freue ich mich, dass wir jetzt die Chance ergreifen, ein jüngeres Publikum, also Kinder ab 5 Jahren, anzusprechen. Die szenische Lesung nach dem Kinderbuch von Navid Kermani wird sicher viel Spaß machen. Und wir bringen die riesengroße Pop-Opera Pinocchio auf die Bühne. Wir möchten versuchen, neue Angebote zu schaffen.

In der nächsten Spielzeit werden wir uns zum Beispiel im Jugendclub POLYLUX mit dem Thema Männlichkeit beschäftigen. Wie können wir Männlichkeit denken? Was bedeutet es für die heranwachsende Generation, dass Männlichkeit gerade so kritisch be- und hinterfragt wird? OH BOYS! produzieren wir für das Kleine Haus und sind dort dann auch erstmalig mit dem Jugendclub zu sehen.

Wir zeigen auch die Wiederaufnahme unserer aktuellen Produktion Downtown Paradise. Das ist ein performativer Stadtspaziergang, der sich um den solidarischen Blick in der Öffentlichkeit dreht. Wir beleuchten, wie wir uns an einem Ort wie dem Neumarkt bewegen – zwischen Konsum, Genuss, Kulinarik und der gleichzeitigen Präsenz von Obdachlosigkeit und Suchterkrankungen. Was blenden wir aus? Wie gelingt uns das? Wir wollen Perspektiven öffnen für Orte, die sonst eher ungesehen sind.

Wir dürfen uns nicht der Bequemlichkeit hingeben. Ich glaube, dass das Theater nach wie vor ganz stark gefragt ist, sich zu öffnen.

Bisher waren wir mit dem Theater in der ganzen Stadt verteilt. Es gab zwischendurch bis zu 36 verschiedene Orte, an denen die Bühnen Köln agiert haben. Dass sich das jetzt viel stärker zentriert, bedeutet eine vereinfachte Kommunikation und die Möglichkeit, Ideen gemeinsam zu entwickeln. Die neue Spielstätte zeichnet vor allem aus, dass wir einen viel größeren Zusammenschluss innerhalb des Betriebs erfahren. Wir können stärkere Synergieeffekte erzeugen und uns das Haus, die Spielorte, noch besser zu Eigen machen. Gerade hier, mitten in der Innenstadt, ist es aber wichtig, den Blick für Außenbezirke nicht zu verlieren, sondern sie ganz bewusst mit einzubeziehen und einzuladen – vielleicht auch einfach mal vor Ort zu sein. Wir dürfen uns nicht der Bequemlichkeit hingeben.

Wir können das ja alles nur machen und wachsen lassen, weil wir spüren, dass es diese Nachfrage gibt.

Ich glaube, dass das Theater nach wie vor ganz stark gefragt ist, sich zu öffnen. Und das funktioniert nicht, indem man die Türen möglichst weit aufreißt, sondern dadurch, dass man sich auch außerhalb des Theaters bewegt. Unseren Schwerpunkt der Partizipation, der Einbindung der Perspektiven der Stadtgesellschaft halte ich für absolut wichtig, um zeitgenössisches Theater zu machen. Wir können das ja alles nur machen und wachsen lassen, weil wir spüren, dass es diese Nachfrage gibt. Das ist mir persönlich ganz viel wert und die treibende Kraft, diese Arbeit zu machen.

Porträt von Joschka Tschirley, Tontechniker am Schauspiel Köln
Joschka Tschirley, Tontechniker bei Schauspiel Köln. Foto: Joschka Tschirley / raufeld

Zwischen Technik und Talent: Modernes Theatererlebnis im sanierten Saal

Joschka Tschirley, Tontechniker beim Schauspiel Köln

Ich arbeite seit Oktober 2017 in der Tonabteilung und betreue Stücke während der Proben – also richte den Ton mit ein. Eigentlich geht alles, was irgendwie hörbar ist, durch unsere Hände und Ohren.

Wir haben jetzt über ein Jahrzehnt versucht, die Schwächen des Depots so auszugleichen, dass man sie nicht mehr bemerkt. Das Depot war als Interimsspielstätte sehr gut ausgestattet. Aber es war eben auch eine alte Fabrikhalle. Und eine alte Fabrikhalle klingt nicht so schön wie ein richtiger Theatersaal. Die Schauspieler*innen mussten immer mikrofoniert werden. Das ist im neuen Haus anders. Ich habe mich letztens mal auf die Bühne gestellt, während meine Kollegen am Mischpult waren – da habe ich probeweise geflüstert und die konnten mich wirklich in der letzten Reihe noch verstehen. Das spricht für einen tollen akustischen Raum. Jetzt hören die Leute auf den hinteren Plätzen genauso gut wie vorn und erleben alles gleich intensiv.

Ich habe das Gefühl, dass sich das jetzige Programm viel mehr mit der aktuellen Situation befasst als vorher.

Seit Kay Voges und die neue Truppe da sind, hat sich das Programm sehr viel mit schwierigen Schwerpunkten auseinandergesetzt, beispielsweise mit dem Thema Krieg. Aber das passiert nun mal gerade auf der Welt, und so hat man eine Chance, Probleme und Politik an die Menschen heranzutragen. Ich habe das Gefühl, dass sich das jetzige Programm viel mehr mit der aktuellen politischen Situation befasst als vorher. Man kann sagen, dass das Publikum in Köln sehr offen und dankbar für sowas ist.

Porträt von Nicole Kechavarz, Teamleiterin im Foyer des Kölner Schauspielhauses
Nicole Kechavarz, Teamleiterin im Foyer beim Schauspiel Köln. Foto: Nicole Kechavarz / raufeld

Was lange währt, wird endlich gut: Vorfreude auf die neue Spielzeit

Nicole Kechavarz, Teamleiterin im Foyer beim Schauspiel Köln

Als Foyer-Teamleitung bin ich dafür zuständig, dass die Gäste gut betreut sind und alles reibungslos abläuft. Seit 2017 bin ich jetzt schon dabei. Das heißt, ich habe das alte Schauspielhaus damals gar nicht kennengelernt. Für mich ist das jetzt auch ein Neustart.

In der neuen Spielstätte wird, glaube ich, alles einfacher, weil es immer der gleiche Ablauf ist. Im Depot musste man schon mal schnell improvisieren.

Der beste Teil des Abends ist für mich, wenn das Foyer voll ist und man nur gut gelaunte Menschen sieht.

Am meisten freue ich mich auf die alte Architektur und darauf, dass wir wieder im Herzen von Köln spielen – und uns die Leute, die nicht nach Mülheim gefunden haben, hoffentlich in der Innenstadt wieder besuchen kommen. Die Architektur und der große Saal mit der tollen Akustik sind schon sehr besonders. Das Foyer kann man sich wie einen Mix aus Alt und Neu vorstellen: Der alte Boden vorne am Eingang und die alten Türen sind noch da. Aber es gibt jetzt beispielsweise 2 Aufzüge. Damit ist der Weg von der Garderobe bis nach ganz oben komplett barrierefrei.

Der beste Teil des Abends ist für mich, wenn das Foyer voll ist und man nur gut gelaunte Menschen sieht. Denn natürlich ist das Theater ein Ort, den die Leute überwiegend gut gelaunt aufsuchen. Das bekommt man dann als Personal auch mit und das ist schön.

Meine persönliche Programm-Empfehlung für die nächste Spielzeit ist In bester Lage, eine Komödie, inszeniert von unserem Intendanten Kay Voges. Hier wird auf humorvolle Weise verarbeitet, was wir auch am Offenbachplatz erlebt haben: Was lange währt, wird endlich gut!

… liebt gute Pasta und Pistazien-Eis. Zwischen Politik und Poetry kann sie sich immer für neue Themen, Trends und (Insider-)Tipps begeistern. Wenn Sie eine Super-Power hätte, dann wäre es entweder, alle Sprachen auf der Welt zu verstehen und zu sprechen oder durch die Zeit zu reisen.

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