Manchmal klein wie ein Mosaik, manchmal groß, bunt oder gemustert: die Fliesen auf den Fassaden der Kölner Nachkriegsarchitektur. Fotos: Nina Hüpen-Bestendonk

Kölner Kacheln: Zwischen Nachkriegscharme und urbaner Schatzsuche

Es gibt Städte, die begeistern mit unzähligen Prachtbauten und glänzenden Boulevards. Und dann gibt es Köln. Eine Stadt, die neben ihren weltbekannten Wahrzeichen ihre wahre Schönheit oft im Detail zeigt.

Wenn ich durch Köln spaziere, passiert es mir immer wieder: Mein Blick bleibt an einer Fassade hängen. Nicht an den üblichen Postkartenmotiven, sondern an bunten, gefliesten Häuserwänden. Viele Rheinländer sehen darin nur triste Nachkriegsarchitektur, die schnell hochgezogen wurde. Für mich geben sie Köln ihren ganz eigenen Charme und jede menge Farbe.

Kölner Kacheln Architektur Fassaden Fliesen blau
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Auch wenn grau und weiß überwiegt: Man findet Fliesenfassaden in allen Farben und Mustern in ganz Köln. Fotos: Nina Hüpen-Bestendonk

Ein Erbe des Wiederaufbaus: Fakten zur Kölner Nachkriegsarchitektur

Um die Faszination der Kachel in Köln zu verstehen, muss man sich die Zeit des Wiederaufbaus vor Augen führen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zerstörung immens: Rund 78 Prozent der Innenstadt lagen in Trümmern. Beim schnellen Aufbau in den 1950er und 60er Jahren suchte man nach Materialien, die drei Kriterien erfüllten: sie mussten preiswert, langlebig und hygienisch sein.

Die Fliese war die perfekte Antwort auf diese Anforderungen. Sie war ein Symbol für die neue Ära der Sauberkeit und Ordnung, die der Zeit des Schutts und des Chaos‘ folgen sollte. Kacheln sind fest, porenfrei und leicht abwaschbar – alles Eigenschaften, die man aus dem modernen Bad und von funktionalen Gebäuden wie Operationssälen und Schwimmbädern kannte. Was ursprünglich streng in Innenräumen verwendet wurde, wanderte somit rasch an die Fassaden. Der Trend startete oft bei Lebensmittelgeschäften, insbesondere Metzgereien, die damit öffentlich die makellose Hygiene ihres Betriebs signalisierten.

So eroberte die Kachel nach und nach in Farben von kühlem Hellblau über sonniges Gelb bis hin zu sattem Schwarz Stück für Stück das Stadtbild. Und reiht sich damit ein in eine Jahrhunderte alte Tradition: Die Kachel ist nicht nur eine der ältesten Erfindungen überhaupt, sondern gilt seit jeher als Schmuckverzierung von Wänden und Fassaden von Persien bis Portugal. Zugegeben: Die deutschen Kacheln sind keine Azulejos, haben aber dennoch einen farbenfrohen Einfluss auf das Kölner Stadtbild.

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Manchmal ganze Fassade, manchmal nur als Schmuckelemente. Foto: Nina Hüpen-Bestendonk

Vom Baustoff zum Kunst-Medium: Street Art trifft Kachelkultur

Ich ertappe mich inzwischen regelmäßig dabei, wie ich auf der Suche nach neuen Mustern stehen bleibe und automatisch meine inneres Sammelalbum erweitere. Dass die Fliese inzwischen mehr ist als nur ein Überbleibsel, zeigt die lokale Street-Art-Szene: Künstler*innen wie SweetNini und ARMX nutzen die glatte Oberfläche als bewusste Leinwand.

Hotspots für urbane Kachel-Schatzsucher*innen

Wer auf Kachel-Schatzsuche gehen möchte, sollte gezielt das Belgische Viertel, Ehrenfeld und das Griechenviertel ansteuern. Besonders überrascht hat mich aber Sülz: Zwischen der Zülpicher Straße und der Berrenrather Straße reiht sich eine Kachelentdeckung an die nächste. Oft reicht es aus, langsam durch die Straßen zu gehen und die Augen ein wenig länger auf Details ruhen zu lassen und Fliesentypen und Farben zu sammeln. So macht ein Spaziergang durch Köln gleich noch mehr Spaß. 

4711 in Köln Ehrenfeld
Auch das ehemalige 4711 Gebäude in Ehrenfeld ist verkachelt. Foto: Nina Hüpen-Bestendonk

Im Rheinland geboren, aber inzwischen in Berlin zuhause, schlägt Ninas Herz immer noch für Köln. Wenn sie nicht gerade als Reisebloggerin die Welt bereist, liebt sie es, auf Rollschuhen zu tanzen, Street Art zu entdecken und die bunten Kölner Kachelhäuser zu bewundern – am liebsten alles mit einem guten Kaffee in der Hand.

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