Als Malou Lovis bei der 13. Staffel von The Voice of Germany antrat, hatten sie nur wenige auf dem Schirm. Allenfalls eingefleischte Indiemusik-Fans kannten sie als Sängerin und Songschreiberin aus der Köln-Ehrenfelder FLINTA*-Musikszene. Nach dem Finale im Dezember 2023 kannte sie ganz Deutschland.
Mit ihrem selbstgeschriebenen Song „Glacier Rivers“ gewann sie nicht nur die Staffel, sondern auch die Herzen eines Millionenpublikums. Es ist ein unvergesslicher Song, in dem Malou ihr Coming-out thematisiert und sich unmissverständlich gegen Homophobie und Queerphobie positioniert.
Veedel-Spaziergang durch Ehrenfeld mit Malou Lovis:
- Station 1: Café Fridolin
- Station 2: Körnerstraße
- Station 3: zwoo Kafeerösterei
- Station 4: Bahnhof Ehrenfeld
- Station 5: Literaturcafé Goldmung
Steil bergauf: Die Karriere von Sängerin Malou Lovis Kreyelkamp
Aufgewachsen ist Malou Lovis in einem kleinen, ländlichen Dorf im Münsterland. Zum Studium der Sozialen Arbeit an der TH Köln zog es sie an den Rhein. Neben ihrem Studium schrieb sie eigene Songs, sang im Hochschulchor und trat bei kleineren Veranstaltungen auf. Der entscheidende Impuls kam dann von einer Freundin, die sie ermutigte, sich endlich bei „The Voice of Germany“ zu bewerben. Eine Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellte.
Nach dem Show-Gewinn folgte ein Raketenstart: ein Plattenvertrag, erste EP-Releases, eine Support-Tour für Tokio Hotel, eine ausverkaufte Deutschlandtour und ihr Debütalbum „things i wrote down last night“. Das klingt nach Neo-Soul und Indie, nach New York, Los Angeles – und nach Venloer Straße in Köln Ehrenfeld.
Stillstand liegt Malou nicht. Sie liebt Herausforderungen. Ihre nächste ist international. Ende Februar tritt sie mit ihrem Song „When I’m with you“ im deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an. Ihr Ziel: Deutschland beim ESC 2026 in Wien vertreten.
Ehrenfeld im Herzen: Malou Lovis Kreyelkamp über ihre Wurzeln in Köln
Vor einiger Zeit ist Malou von Köln nach Berlin-Neukölln gezogen. Hier sitzen ihre Plattenfirma, ihr Management und ihr musikalisches Netzwerk. Das ständige Pendeln wurde ihr zu anstrengend. Und doch schlägt ihr Herz weiterhin für Köln, vor allem für Ehrenfeld, wo ihre Freundin lebt. „Ich pendele also immer noch, nur jetzt in die andere Richtung“, sagt sie lachend.
Wenn sie dann zurück in ihrem Veedel ist, genießt sie es, durch die Straßen von Ehrenfeld zu schlendern, Kaffee trinken zu gehen und sich treiben zu lassen. Genau das haben wir mit ihr gemacht – und uns dabei ihre Ehrenfeld-Liebe schildern lassen.
Station 1: Bürgerzentrum Ehrenfeld / Café Fridolin
Das Café Fridolin im Bürgerzentrum Ehrenfeld ist für mich der perfekte Startpunkt für einen Spaziergang durch Ehrenfeld. Schon beim Reinkommen stellt sich dieses besondere Gefühl ein: Hier geht es nicht um den schicksten Look oder den teuersten Fancy-Kaffee, sondern um Begegnungen mit Menschen. Um Miteinander. Genau das macht das „Fridolin“ für mich zu einem echten Lieblingsort.
Ich habe mich hier im Laufe der Jahre mit unzähligen Freund*innen getroffen. Viele von ihnen haben zeitweise selbst im Café gearbeitet. Vielleicht fühlt es sich deshalb immer ein bisschen wie ein Zuhause an. Man setzt sich mit einem Kaffee hin und merkt sofort: Hier begegnen sich ganz unterschiedliche Menschen auf Augenhöhe.
Wenn dort im Sommer ein DJ-Set stattfindet und man draußen sitzt, mitten in Ehrenfeld, dann fühlt man sich zuhause.
Malou Lovis Kreyelkamp
Das liegt sicher auch am Ort selbst. Das Bürgerzentrum Ehrenfeld ist mehr als nur ein Gebäude. Es ist ein lebendiger Kulturraum. Konzerte, Theater, Veranstaltungen, Angebote für Kinder, hier passiert immer etwas. Diese kreative, offene Atmosphäre spürt man auch im Café.
Eine ganz besondere Erinnerung verbindet mich ebenfalls mit diesem Ort: Ich stand hier selbst schon auf der Bühne im Konzertsaal. Es war eines meiner allerersten Konzerte in Köln. Ich habe im Chor der TH Köln gesungen und wir sind hier aufgetreten. Das war ein besonderer Moment für mich.
Lange habe ich ganz in der Nähe gewohnt. Vor allem im Sommer war ich deshalb oft auch im angrenzenden Park. Ich habe mir dann mein Mittagessen von zuhause mitgebracht, mich ins Grüne gesetzt und danach weitergearbeitet oder Songs geschrieben. Und fast immer gehörte ein kurzer Abstecher ins Fridolin dazu. Super gerne auch auf die Terrasse in den Biergarten. Wenn dort im Sommer ein DJ-Set stattfindet und man draußen sitzt, mitten in Ehrenfeld, dann fühlt man sich zuhause.
Station 2: Körnerstraße in Ehrenfeld
Die Körnerstraße ist für mich einer der schönsten Orte in Ehrenfeld. Kaum biegt man ein, verändert sich die Stimmung. Es wird bunter, lebendiger. Viele Häuser sind bemalt, Graffitis erzählen Geschichten, und zwischen den Fassaden spannen sich bunte Fähnchen über die Straße. Aus den Cafés oder aus offenen Fenstern hört man Musik.
Diese Ecke des Veedels vermittelt mir sofort ein Gefühl von Gemeinschaft. Als würden die Menschen gemeinsam daran arbeiten, ihre Straße besonders zu machen. Das zeigt sich überall – in den kleinen, liebevoll geführten Cafés und den individuellen Läden, an den offenen Bücherschränken, den kleineren oder größeren Dekorationen und Kunstwerken in den Blumenkästen oder den Botschaften an Häuserwänden.
Wenn Freund*innen oder Familie zu Besuch sind, gehört ein Spaziergang durch die Körnerstraße für mich immer dazu. Es ist einer dieser Orte, die den Charakter Ehrenfelds perfekt einfangen: kreativ, offen, herzlich.
Ich liebe Kaffee! Und am liebsten treffe ich mich hier auf einen Kaffee und lasse mich dann treiben, ohne Ziel, ohne Zeitdruck. Wenn dann am Abend langsam die Lichter angehen, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Vor allem im Sommer und wenn die Straßen voll sind, fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre man auf einem Musikfestival oder einem Straßenfest. Nur dass es dafür kein festgelegtes Datum braucht, sondern es hier an jedem einzelnen Tag besonders ist.
Station 3: Zwoo Kaffeerösterei
Eine meiner besten Freundinnen lebt in Dortmund, und sie nimmt Kaffee sehr ernst! Neben ihrem Studium arbeitet sie als Barista, kennt jede Röstung, jede Bohne. Und sie sagt: „Hier gibt es den besten Kaffee in ganz Köln!“
Ob das stimmt? Das kann ich nicht sagen. Aber ich finde: Er ist wirklich außergewöhnlich gut.
Was ich an diesem Ort besonders mag, ist das Konzept. Es gibt kein klassisches Café mit Tischen und Stühlen, kein „Drinnen“. Stattdessen bestellt man seinen Kaffee an einem kleinen Verkaufsfenster. Viele bringen sogar ihre eigenen Tassen mit und lassen sich das Getränk direkt dort hineinfüllen. Oder sie holen sich hier ihre frischgeröstete Wochendosis ab.
Man steht dann vor dem Zwoo auf der Straße, kommt ins Gespräch, lernt neue Menschen kennen, in offener, ungezwungener Atmosphäre. Kein stundenlanges Sitzen an kleinen Zweiertischen, sondern Straßenleben und Veedelsgemeinschaft.
Station 4: Bahnhof Ehrenfeld
Ich habe lange in Ehrenfeld gewohnt und fast jeder Weg in die Stadt oder auch zu Konzerten und Events außerhalb Kölns begann hier. Für mich ist der Bahnhof Ehrenfeld ein Ort der Verbindungen. Ein Ort des Aufbruchs.
Außerdem schlägt auf der Seite der Bartholomäus-Schink-Straße eines der Livemusik-Herzen von Köln. Hier in den alten Bahnbögen reiht sich eine Bühne an die nächste: der Clubbahnhof Ehrenfeld, der Yuca Club und etwas weiter in Richtung Gürtel noch das Bumann & SOHN und das Artheater.
Im Clubbahnhof habe ich vermutlich die meisten Konzerte in Köln gesehen. Viele beeindruckende Auftritte von FLINTA*-Artists – aber auch Bachelor-Konzerte von Studierenden der Musikhochschule, wenn ich jemanden auf der Bühne kannte. Der CBE ist wirklich einer meiner liebsten Live-Orte in Köln.
Station 5 Goldmund Literaturcafé
Das Goldmund war für mich wahrscheinlich das erste Café in Köln, das ich überhaupt kannte. Mein mittlerweile verstorbener Onkel hatte hier einen wöchentlichen Treff, eine Art Freundeskreis, um gemeinsam Französisch zu sprechen. Und als ich vor einigen Jahren mit meiner Familie in Köln war, da musste ich natürlich unbedingt sehen, von welchem Ort Onkel Dieter immer so geschwärmt hatte. Wir alle waren sofort begeistert von diesem gemütlichen Literaturcafé. Hier fühlt man sich wie in einem Film, sobald man durch die Tür gegangen ist.
Später bin ich selbst nach Ehrenfeld gezogen. Irgendwann fing meine beste Freundin an, im Goldmund zu arbeiten. Da schloss sich für mich ein Kreis. Jedes Mal, wenn ich heute nach Köln komme, schaue ich nach, ob sie da ist. Im Sommer treffe ich mich auch gern mit Freunden im großen Biergarten direkt neben der Bahnstrecke.
Ich habe mich tatsächlich schon oft einfach alleine mit einem Buch hier hingesetzt und gelesen. Das mache ich sonst in keinem Café. Für mich ist das Goldmund viel mehr als nur ein Café voller Bücher. Es ist ein Ort zum Kulturerleben: Lesungen, Konzerte, Partys – und ja, der Französisch-Treff existiert, glaube ich, immer noch.
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