Ruderin Kathrin Marchand (Blonde Haare, Blue Jeans, Pulli) sitzt entspannt auf einem Steg am Decksteiner Weiher in Köln Lindenthal.
Ruderin Kathrin Marchand am Decksteiner Weiher. Hier gönnt sie sich gerne eine Auszeit vom Training – und bleibt trotzdem ganz nah am Wasser. Foto: Marina Weigl

Kathrin Marchand: „Die rheinischen Frohnaturen mag ich“

Für die Spitzensportlerin und Ärztin Kathrin Marchand ist ihre Heimatstadt Köln ein Trainingsrevier und Rückzugsort zugleich. Am 6. März 2026 startet sie bei den Winter Paralympics in Mailand.

„Schon nach den ersten 500 Metern wusste ich: Dieses Mal wird es Gold!“: Kathrin Marchand lieferte Ende September 2025 in Shanghai ab, gewann den WM-Titel bei den Ruder-Weltmeisterschaften im Doppelzweier mit Valentin Luz – und holte direkt die Weltbestzeit.

Das ist ein weiterer Meilenstein auf Katrins bereits langer Liste von Erfolgen: Junioren-WM mit 17, erstes U23-Gold mit 20 in Amsterdam, dazu EMs und 2 Olympia-Starts mit Top-10-Platzierungen.

Gleichzeitig zog sie das Medizinstudium durch und startete 2018 als Ärztin in Köln. Doch der Alltag war hart: Überstunden, Nachtdienste, ständig Leistung. Anders als im Sport konnte sie im Job nicht selbst entscheiden, ab wann es zu viel ist.

Spitzensport und Medizin: zu lange Vollgas

Nach einem Schlaganfall im September 2021 beschloss sie: So geht es nicht weiter. Sie stieg 8 Monate komplett aus dem Beruf aus, sortierte sich neu und zog Konsequenzen.

Ruderin Kathrin Marchand im Porträt.
Entspannung am Decksteiner Weiher, Spaziergänge im Stadtwald, Kaffee an den Rheintreppen – so genießt Kathrin Marchand Köln. Foto: Marina Weigl

Heute arbeitet sie deutlich weniger: erst 50 Prozent, inzwischen auf Honorarbasis. Wahrnehmungsstörungen links bleiben, das Sichtfeld ist eingeschränkt, der Körper ermüdet schneller. Der Fokus liegt auf dem, was ihr wirklich wichtig ist: Sport – mit vollständiger Kontrolle über die eigene Belastung.

Kathrin Marchand über Köln: viel Sport – aber zu wenig Top-Förderung

Köln gibt ihr viel: Trainingsmöglichkeiten, Bewegung, einen Alltag mit Freiräumen. Doch an einem Punkt wünscht sich Kathrin mehr: Aus ihrer Sicht fehlt es an Support für den Spitzensport. Mehr Investitionen in Sportstätten würden jungen Leuten den Einstieg leichter machen und das Training attraktiver. „Es könnte viel mehr in Sportstätten investiert werden, damit junge Leute überhaupt Lust haben dort zu trainieren – in einigen kann man nicht mal warm duschen.“

Das wundert immer alle, aber ich bin wirklich keine Wasserratte.

Ruderin Kathrin Marchand

Dazu kommt das Thema Geld: Viele Spitzensportler*innen gewinnen Medaillen und können trotzdem kaum davon leben – vor allem, wenn Vollzeitjobs wegen Training, Wettkämpfen und Regeneration unrealistisch sind. Aus Kathrins Sicht ist das auch für Köln eine verpasste Chance: Talente brauchen Bühnen, keine Bremsklötze.

Vorfreude auf Mailand: Winter Paralympics ab 6. März

Sie selbst lässt sich aber eh nicht ausbremsen. Das Rudern ist nicht mehr ihre einzige Leidenschaft, sie hat jetzt auch Langlaufski für sich entdeckt. Meist trainiert Kathrin auf Rollerski, auf dem Asphalt rund um den Fühlinger See. Sie startet im März bei den Winter Paralympics 2026 in Mailand. Damit schafft sie als bisher einzige Athletin das Triple – mit Teilnahmen an den Olympische Sommerspielen (2012 in London und 2016 in Rio), den Paralympische Sommerspielen (2024 in Paris) und den Paralympischen Winterspiele (2026 in Mailand).

Das ist eine Seite von ihr, die auch ihre Follower*innen in den sozialen Medien beeindruckt: Mit ihrer optimistischen Art steckt sie sich immer wieder neue Ziele und erreicht sie dann auch, mit viel Durchhaltewillen.

Fühlinger See, Rhein, Parkbank: So lädt sie auf

Wenn die Temperaturen steigen, geht’s wieder häufiger ins Boot. Ihr Lieblingsspot ist der Fühlinger See. Fun Fact: Schwimmen ist nicht ihr Ding. „Das wundert immer alle, aber ich bin wirklich keine Wasserratte. Auf dem Wasser ja, aber nicht im Wasser.“

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Weitere Informationen

Runterkommen klappt in Köln am besten ganz simpel: Spaziergänge am Rhein, durch den Stadtwald, Kaffee mit Freund*innen – auf den Rheintreppen oder im Beethovenpark. Partys lässt sie eher aus. „Das verträgt sich auch nicht so gut mit dem Sport.“ Wenn sie nicht trainieren, aber dennoch nah am Wasser sein will, besucht sie gern den Decksteiner Weiher im Äußeren Grüngürtel. Er ist der größte künstlich angelegte Parkweiher der Stadt und ein grüner Ruhepol für ihre Trainingspausen.

Zuhausegefühl: Köln als Reset-Knopf

Nach Wettkämpfen zurück nach Köln zu kommen, gibt Kathrin ein gutes Gefühl: zurück in der Heimat. Sie mag die offene Art der Menschen: „Man kommt auch mal an der Supermarktkasse ins Gespräch, anstatt, dass jeder nur stumm sein Ding macht. Die rheinischen Frohnaturen mag ich.“

Für sie ist Köln der Ort, an dem Leistung und Alltag gut zusammengehen, und an dem sie sich immer wieder neu sortiert – für den Start ins nächste Abenteuer.

...liest und schreibt gern über faszinierende Menschen. Und davon gibt es in Köln ja nicht zu wenige. Daneben interessiert sie sich auch für vieles, was auf Kölner Bühnen oder Kino-Leinwänden gezeigt wird.

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