Als Clowns verkleidete Menschen feiern beim Karneval in Köln.
Zeit der Jecken: Der Karneval in Köln feiert dieses Jahr sein 200-jähriges Bestehen. Foto: Festkomitee Kölner Karneval/Costa Belibasakis

Alaaf für alle! Tipps für den Karneval in Köln

2023 wird der Kölner Karneval, wie wir ihn kennen, 200 Jahre alt. Gefeiert wird entsprechend großartig – vor allem nach zwei Jahren Zwangspause. Wenn nun aber wieder 140 Karnevalsvereine zu ihren Umzügen und Veranstaltungen einladen, kann man schon mal den Überblick verlieren. Wir nennen euch die wichtigsten Anlaufstellen und Termine.

An Karneval tobt die Stadt. Gefeiert wird nicht nur auf den offiziellen Sitzungen, sondern in nahezu jeder Kneipe. Tipp: Am besten startet ihr im Belgischen Viertel. Hier die wichtigsten Anlaufstellen:

Jecke Kneipen

verkleidet Menschen von hinten werfen beim Kölner Karneval ihre Arme in die Luft
Beim Karneval in Köln wird nicht nur auf den offiziellen Sitzungen gefeiert, sondern in nahezu jeder Kneipe.
Foto: Festkomitee Kölner Karneval/Costa Belibasakis
  • Grünfeld – die Kicker- und Schachkneipe sieht sich als „angesagteste Nicht-Szene-Kneipe“ im Belgischen Viertel. 
  • Zum Goldenen Schuss – die Vintage-Eckkneipe am Brüsseler Platz wird an Karneval zum Zirkuszelt. Fünf Tage Akrobatik, Kölsch und Jeckness.
  • Zum scheuen Reh – Café-Bar mit Konzerten, Lesungen und anderen Live-Acts und Performances. Rosenmontag schon ab 15 Uhr geöffnet.
  • Qlosterstüffje – Kneipe, Küche Kegelbahn. Fußballkneipe mit Kultcharakter in Ehrenfeld – nach zwei Jahren Corona-Pause auch wieder an Karneval.
  • Lotta – eine vom Kollektiv geführte Kneipe. Normalerweise bullern Punk und Ska aus den Boxen, an Karneval wird geschunkelt.
  • Stiefel – schummrige Eckkneipe im Kwartier Latäng mit studentischem Publikum, Kicker und Billard. 
  • Kölschbar – die Stammgäste kommen zum Kickern und Fernsehen auf großer Leinwand – vor allem wenn Tatort, Fußball oder Karneval läuft.
  • Hemmer – Traditionskneipe in Ehrenfeld, besonders an Karneval. Weiberfastnacht ist dort ab 10:30 Uhr was los. Dienstag Nubbelverbrennung vor der Tür.
  • Zappes – ja, es gibt auch feines Pils aus Köln: das Zappes, serviert an gleichnamigem Ort. Woher der Name kommt? Im Brauhaus nennt man denjenigen der zapft, den „Zappes“. 
  • Joode Lade – urige Kölsch-Kneipe mit Herz zwischen Belgischem Viertel und Kwartier Latäng. Hier dreht sich alles um Kölsch und den 1. FC.
  • Stereo Wonderland – in der kleinen Rock- und Indie-Kneipe finden regelmäßig Konzerte statt. Voll und eng ist es dann – an Karneval natürlich besonders.
  • Der Schwarze Hase – Tanzbar mit guten Mixgetränken in Ehrenfeld. Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf Electronic und HipHop. 
  • Em Schnörres – der kleine Bruder vom „Scheuen Reh“ und eine der angesagtesten Karnevalskneipen in der Südstadt. 

Clubs und Partys 

An Weiberfastnacht geht es im Club Bahnhof Ehrenfeld mit Hits aus den 90er- und Nullerjahren los.
Foto: Club Bahnhof Ehrenfeld und Yuca
  • Bumann & Sohn – sechs Tage Party in Ehrenfeld. Weiberfastnacht geht es dort um 11.11 Uhr los. Schunkeln und tanzen zu kölschen Karnevalshits und Evergreens. Ab Sonntag gibt es jeden Tag 77 Liter Freibier.
  • Club Bahnhof Ehrenfeld – an Weiberfastnacht startet hier die Party mit Hits aus den 90er- und Nullerjahren. Getanzt wird bis Sonntag. Unter anderem unter dem Motto „Carnival Latino“ bei Radio Sabor, der angesagtesten Party für Latin-Music.
  • Odonien – nach anderthalb Monaten Winterpause kehrt das Partyvolk an Karneval zurück nach Odonien, das Klubgelände des Künstlers Odo Rumpf. Die Party beginnt an Weiberfastnacht mit dem Treibstoff Klub Spökes um 20 Uhr und endet am Samstag mit Techno, House und Dub beim 200 Rave

Alternative Sitzungen

Stunk statt Prunk – so die Devise der Stunksitzung. Ihr in Kölscher Mundart vorgetragener Spott trifft Protagonist*innen aus Weltpolitik, Kirche und Lokalpolitik. Die „Mutter des alternativen Karnevals“ gründete sich 1983 aus einem Kölner Studentenkollektiv um den Kabarettisten und Autor Jürgen Becker. Die erste Sitzung fand in der Alten Mensa an der Universitätsstraße statt, heute bespielen die Stunker das E-Werk in Mühlheim. Ihr Erfolg ist gigantisch: Die insgesamt etwa 65.000 Tickets sind immer ruckzuck ausverkauft. An einem Abend stürmen sie die Bühne bei der anderen Karnevalsalternative Fatal Banal.

E-Werk, Schanzenstr. 36, Gebäude 197, 51063 Köln. Hier geht’s zu den Terminen.

Fatal Banal – die satirische Kultsitzung

Mit Sketchen auf einer Studentenhochzeit fing alles an. Als irgendwann alle Kommiliton*innen verheiratet waren, suchte die Truppe um Präsident Christoph Stubbe ein neues Forum – und fand den Karneval. Witzig, kölsch, frech, satirisch, politisch – und dabei absolut tuschfrei gibt sich das satirische Programm von Fatal Banal. 2022 wollte man eigentlich das 30-jähriges Jubiläum begehen, aber dann kam Corona. Der Geburtstag wird nun einfach nachgeholt: Fatal Banal & Friends teilen ihre Bühne mit befreundeten alternativen Sitzungen. Zur Premiere am 27. Januar ist etwa Deine Sitzung zu Gast. Auch die Künstler*innen der Schnittchensitzung und die Röschen Sitzung bestimmen an jeweils einem Abend das Programm. 

Abenteuer Halle Kalk, Premiere 27. Januar, 9 weitere Aufführungen jeweils Fr/Sa/So 19.30 Uhr

Für Sportliche: Team Rhythmusgymnastik Karnevalsport

Seit mehr als 20 Jahren bringen sie das Karnevalsvolk ins Schwitzen: Das Team Rhythmusgymnastik besteht aus den DJs Powerfun und Bleibtreuboy. Aufgelegt wird alles, was tanzbar ist – HipHop muss sich da schon mal gegenüber Schlager behaupten, Soulklassiker schlägt Blaskapelle und Funk. Manchmal treten die beiden Entertainer im glitzernden Disco-Outfit auf oder, ihrem Namen entsprechend, in Sportklamotten. 

Am Karnevalssamstag, 18. Februar von 11 bis 22 Uhr im Dumont Festzelt, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln

Der Geisterzug

Den ersten Geisterzug, wie wir ihn heute kennen, gab es 1991 anlässlich des Irak-Kriegs. Der Geisterzug war immer schon schwer politisch unterwegs – und zwar ganz ohne Pappnase. Bonbons gibt es auch nicht. Die Verkleidung erinnert an Halloween: fahl geschminkte Gesichter, Krallen auf den Fingernägeln, weiße Gewänder. Musikalisch wird der Zug mit Getrommel unterlegt und kommt ohne Verstärker aus. Mitlaufen darf jeder, ohne Anmeldung. Das Motto wechselt jährlich, ebenso die Strecke. Für dieses Jahr steht beides zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Halte dich hier auf dem Laufenden.  

Der Schull- und Veedelszöch am Faschingssonntag

Karnevalwagen beim Rosenmontagsumzug
Wie der Rosenmontagszug verläuft ausnahmsweise auch der Schull- und Vädelszöch in diesem Jahr über beide Rheinseiten.
Foto: Festkomitee Kölner Karneval/Costa Belibasakis

Viele Kölner*innen lieben den Schull- und Veedelszöch mindestens so sehr wie den Rosenmontagszug. Dieser findet traditionell am Faschingssonntag statt, mit rund 8.000 Beteiligten. Rund 30.000 Jecken bewundern die schönen, meist selbstgeschneiderten Kostüme, feiern und applaudieren am Straßenrand. Der Schull- und Veedelszug setzt sich unter anderem aus Stammtischen, Sportvereinen und Musikgruppen zusammen. Eine Jury prämiert die witzigsten Gruppen, die am nächsten Tag beim Rosenmontagszug mitlaufen dürfen. 

Die Strecke – Achtung: Wie der Rosenmontagszug verläuft ausnahmsweise auch der Schull- und Vädelszöch in diesem Jahr über beide Rheinseiten. Start um 11:11 Uhr am Ottoplatz auf der „Schäl Sick“ in Deutz. Über die Deutzer Brücke geht es dann über den Heumarkt zum Dom. Von dort aus weiter durch die Innenstadt über den Neumarkt Richtung Südstadt.

Veilchendienstag durch Ehrenfeld

Alaaf! Das ist das wichtigste Wort beim Karneval in Köln und der Jubelruf der Jecken! Foto: AdobeStock

Am Faschingsdienstag ziehen viele witzige Züge durch die Veedel. Einer der buntesten ist der Ehrenfelder Veedelszoch, der sogar Publikum aus anderen Vierteln anreisen lässt. Gestartet wird um 13.45 Uhr am Lenauplatz – weiter geht‘s über die Subbelrather Straße, die Leyendeckerstraße, die Venloer Straße und die Fuchsstraße bis zur Vogelsanger Straße. Anschließend kannst du weiterfeiern, bis am späten Abend der Nubbel angezündet wird – etwa bei Bumann & Sohn oder im Hemmer

Wo der Nubbel brennt

Jedes Jahr, am Vorabend des Aschermittwochs, wird überall vor den Kneipen der Veedel der „Nubbel“ verbrannt. Diese Strohpuppe ist der Sündenbock für die begangenen Missetaten der letzten Tage. Tipp: Der Kabarettist und Stunksitzungs-Gründer Jürgen Becker trägt den Nubbel am Brauhaus Sion zu Grabe. Die offizielle Nubbelverbrennung findet zum Jubiläum vor prominentester Kulisse statt: am Dom.

Veilchendienstag, 17:30 Uhr, Roncalliplatz.

Aschermittwoch – und nun?

Traditionell wird in Köln an Aschermittwoch gern Fisch gegessen. Wie wär’s mit Fish’n’Chips? Foto: AdobeStock

Erst einmal was essen. Ein gepflegtes Frühstück gibt es etwa im Café Sehnsucht in Ehrenfeld, mit ökologischen Zutaten und Brot und Brötchen aus dem eigenen Ofen. In der Pfanne landen selbstverständlich nur Bio-Eier. Nimm Platz auf einem der Hochstühle am Schaufenster und lass bei der Aussicht auf die bunte Körnerstraße deine Seele baumeln. 

Aschermittwoch ist der Auftakt zum 40-tägigen Fasten. Traditionell wird in Köln an Aschermittwoch gern Fisch gegessen. Stehst du auf Frittiertes? Dann sind die Fish’n’Chips im Wirtshaus em Ringstößje eine Versuchung wert: krosser Bierteig an doppelt frittierten Pommes. Und dazu ein Konterkölsch