Gursharanjit Kaur Jawanda, Mona Baumgarten
Gursharanjit Kaur Jawanda, Mona Baumgarten und Julia Huppertz. Drei Frauen, drei Küchen, ein gemeinsamer Nenner: Echtes Handwerk mit Haltung und Liebe zum Detail. Fotos: Angelika Schwaff / Bonappetrip, Montage: raufeld

Köln schmeckt mir! 3 Frauen, die die kulinarische Szene der Stadt prägen

Wer mit offenen Augen durch Köln geht, entdeckt sie überall: Frauen, die mit Leidenschaft, Präzision und einer guten Portion Mut die kulinarische Szene der Stadt prägen. Drei von ihnen haben wir besucht.

Das Wohnzimmer von Mülheim: Haldi Spoon von Mama Gursharanjit

Gursharanjit Kaur Jawanda
Gursharanjit Kaur Jawanda, ist Köchin, Inhaberin und gute Seele vom Haldi Spoon in Köln. Foto: Angelika Schwaff

Wer das Haldi Spoon in Köln-Mülheim betritt, steht mit einem Schritt mitten in Indien. Rechts zischt es aus der offenen Küche, links sitzen Nachbarn im bunt dekorierten Speiseraum, schlemmen und unterhalten sich. Unter der Glasscheibe auf den Tischen handgeschriebene Zettel mit kleinen Liebeserklärungen an Restaurant und Besitzerin.

„Viele nennen mich Mama“, sagt Gursharanjit Kaur Jawanda und lächelt, während sie einen dampfenden Chai eingießt. Kein Wunder: Die etwas über 60-Jährige strahlt eine Herzlichkeit aus, die den ganzen Raum und jeden Gast wärmt.

Kochen ist Liebe. Wenn man mit dem Herzen kocht, spüren das die Gäste.

Gursharanjit Kaur Jawanda

1987 kam sie aus Indien nach Deutschland, arbeitete mit ihrem Mann zunächst in einem italienischen Restaurant und eröffnete im Juni 2021 ihr eigenes Lokal. „Ich wollte eigentlich aufhören zu arbeiten“, sagt sie und lacht verschmitzt. „Aber das Kochen macht mir zu viel Spaß.“ Ihr Restaurant ist ihr Wohnzimmer, ihre Gäste wie Familie.

Eines ihrer beliebtesten Gerichte hat sie selbst erfunden. Die Naanizza, eine Mischung aus Naan und Pizza, belegt mit Curry und Käse, im Ofen gebacken. Eine kölsche Idee mit indischer Seele, so wie sie selbst. „Kochen ist Liebe. Wenn man mit dem Herzen kocht, spüren das die Gäste.“

Heute will Gursharanjit anderen Frauen Mut machen. Sie glaubt, dass Selbstständigkeit auch für ältere Frauen mit Migrationshintergrund Freiheit bedeutet, und dass sie sich viel häufiger trauen sollten, eigene Wege zu gehen. Arbeit, sagt sie, sei nicht nur Broterwerb, sondern Selbstbestimmung. Vielleicht das stärkste Gewürz ihres Lebens.

Öffnungszeichen: Di. – So. 17 – 21 Uhr
Adresse: Dünnwalder Str. 49, 51063 Köln (Mühlheim)

Nach gut kommt besser: Mona Baumgarten kocht im Augustin mit Präzision und Gefühl

Köchin Mona Baumgarten liebt und kocht gern klassisch Französisch, wie diese zarte Terrine, die auf der Zunge zergeht. Foto: Angelika Schwaff

Ein paar Kilometer weiter, im Restaurant Augustin im Classik Hotel Antonius, liegt noch der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Luft. Der Frühstücksservice ist vorbei, die letzten Hotelgäste starten in ihren Tag. In der Küche zieht Mona Baumgarten ihre weiße Kochjacke über, bindet sich die Haare zurück und beginnt mit ruhigen Handgriffen das „Mise en Place“, die Vorbereitungen in der Küche. Die 33-Jährige arbeitet konzentriert und besonnen. Sie schneidet Gemüse, prüft Temperaturen, redet mit den Kolleg*innen in kurzen, klaren Sätzen.

Ich will einfach gut kochen.

Augustin-Köchin Mona Baumgarten.

Bevor sie nach Köln kam, arbeitete sie in mehreren Fine-Dining-Restaurants. Immer mit dem Wunsch, zu verstehen, was Sterneküche wirklich ausmacht. In Häusern wie der Villa Leonard, der Résidence oder bei Christian Bau im Saarland verfeinerte sie ihr Handwerk und entdeckte, wie viel Disziplin und Präzision in jedem Teller steckt.

Ihr Stil ist klassisch, französisch: Pasteten, Terrinen, Profiteroles. „Ich muss nichts neu erfinden“, sagt sie. „Ich will einfach gut kochen.“ Ihr Mentor, Sternekoch Eric Werner, ist für sie ein entscheidender Wegbegleiter. „Er hat mich gefördert und gefordert. Wenn ich etwas gut mache, sagt er: ‚Das passt, aber du kannst es noch besser machen.‘“

Ob mehr Männer oder Frauen am Herd stehen, spielt für sie keine Rolle. In der Küche geht es um Können, Respekt und die Liebe zum Handwerk, nicht um Geschlechterfragen. Unabhängigkeit bedeutet ihr viel, Respekt ist für sie die wichtigste Zutat in der Küche. Bitte und danke, sagt sie, müssen auch dann noch stimmen, wenn der Druck am größten ist.

In ihrer stillen Konsequenz, ihrem feinen Humor und der Liebe zum Handwerk zeigt sich jene Haltung, die Kölns Gastronomie so besonders macht: Bodenhaftung trifft auf Präzision. Und beides schmeckt nach Zukunft.

Öffnungszeichen:
Frühstücksbuffet Mo. – Fr. 7 – 10 Uhr | Sa. – So. 7 – 10:30 Uhr, 22 Euro/Erwachsener
Donner à la carte Di. – Sa. 18 – 22 Uhr | So. 17 – 21 Uhr
Adresse: Dagobertstraße 32, 50668 Köln (Neustadt-Nord)

Süßes mit Haltung: Julia Huppertz und ihre Kölsche Pâtisserie Veedel Pastry

Julia Huppertz, die Frau hinter Veedel Pastry. Mit der kleinen Pâtisserie hat sie sich ihre Träume erfüllt und ihre Bestimmung gefunden. Foto: Angelika Schwaff

Ganz anders wirkt die Welt von Julia Huppertz. Ihre Pâtisserie Veedel Pastry liegt nicht in der Innenstadt, sondern in einer kleinen Produktionsküche in Niehl. Kein Café, keine Auslage. Dafür Törtchen, die aussehen wie kleine Kunstwerke. Julia, hochgewachsen, große Brille, Strickset statt Bäckerjacke, arbeitet mit einem Team von mehreren Frauen an feinen Interpretationen der klassischen Pâtisserie.

Bevor sie ihren Traumjob fand, studierte sie Betriebswirtschaft und Immobilienmanagement, arbeitete in Büros und Projektentwicklungen. Bis sie merkte, dass sie etwas mit den eigenen Händen schaffen wollte. In der Schweiz lernte sie bei einem Weltmeister-Pâtissier die Grundlagen des Handwerks, in Mailand absolvierte sie einen Master in Food & Beverage Management. Zurück in Köln gründete sie Veedel Pastry. Mit gemieteter Küche, einer kleinen dreirädrigen Ape für den Verkauf – und viel Improvisationstalent.

Heute beliefert sie Märkte, Caterings und Events. Nachhaltigkeit, Regionalität und Tierschutz sind ihr genauso wichtig wie Geschmack. „Wir sind keine französische Pâtisserie“, sagt sie. „Wir sind das kölsche Pendant. Mit Herz, Humor und Handwerk.“

Ihre Tartelettes und Törtchen sind süß, aber nie überzuckert, ästhetisch, aber nicht abgehoben. Julia selbst beschreibt ihre Motivation so: „Ich liebe Süßes. Ich liebe Tiere. Und ich liebe Menschen.“ Aus diesen 3 Herzensangelegenheiten ist ihre Selbstständigkeit gewachsen. Sie möchte Bewusstsein und Wertschätzung für köstliche Desserts, kreatives Handwerk, regionales Sourcing und artgerechte Tierhaltung schaffen. Ein klares Statement, charmant serviert.

3 Frauen, 1 Geschmack

3 Kölnerinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch dieselbe Sprache sprechen: die der Leidenschaft. Ihre Küchen sind Ausdruck ihrer Persönlichkeit, ihre Gerichte erzählen von Herkunft, Mut und der Liebe zum Handwerk. Vielleicht schmeckt Köln deshalb so gut, weil hier Menschen kochen, die sich selbst treu bleiben.

Angelika Schwaff ist Journalistin, Autorin und Rezeptentwicklerin aus Berlin. Sie reist neugierig durch die Welt, entdeckt Geschichten im Essen, am Küchentisch und unterwegs und teilt ihre kulinarischen Erlebnisse in der regelmäßigen ZEIT-Kolumne, im Podcast „Schnitzel & Stories“ und auf bonappetrip.de

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