Es brummt und rauscht in der Kölner Subkultur. Im musikalischen Underground ist seit der Corona-Pandemie eine Szene entstanden, die so vielseitig und aufregend ist wie nie zuvor. Ganz vorne mit dabei: The Red Flags. Die All-Female-Grunge-Punkband gehört aktuell zu den spannendsten Newcomern am Rhein.
Polly am Gesang, Murphy an der Gitarre, Joe am Bass und Mika an den Drums haben in den letzten vier Jahren eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Angefangen haben The Red Flags 2022 als Schülerinnenband am Albertus-Magnus-Gymnasium im Stadtteil Neuehrenfeld im Kölner Westen, mit Gigs in der Schulaula und kleinen selbstorganisierten Konzerten.
Dann entdeckt 2024 das Team von Jan Böhmermanns Show „Lass Dich überwachen“ die Band auf TikTok. „Wir finden, die Red Flags brauchen die größte Bühne Deutschlands!“, erklärt Böhmermann begeistert. Nur 4 Tage später steht die Band tatsächlich auf einer der größten Bühnen überhaupt: Der Main Stage von Rock am Ring. Dieser Auftritt bringt vieles ins Rollen. Plattendeal, Booking-Agentur, und gefeierte Supportshows für Tocotronic, Turbostaat und Die Toten Hosen folgen.
Ihr Debütalbum „Self-Centred And Delusional“ nehmen sie zusammen mit der Producer-Legende Moses Schneider (Beatsteaks, AnnenMayKantereit, Tocotronic) auf. Es ist wild und direkt. Feministisch und wütend. Und jederzeit bereit, anzuecken.
Wir treffen Joe und Mika an der Severinstorburg am Chlodwigplatz, im Herzen der Kölner Südstadt. Die beiden kommen direkt aus dem Proberaum. Dort arbeitet die Band gerade am zweiten Album, dessen Aufnahmen im Sommer starten sollen. Und noch ein Highlight wartet in ein paar Monaten: Im Juli 2026 werden The Red Flags im Vorprogramm von Die Toten Hosen im ausverkauften RheinEnergieSTADION vor 60.000 Fans spielen.
Bevor es soweit ist, nehmen sich Joe und Mika die Zeit, uns ihre Lieblingslieblingsorte in der Südstadt zu zeigen.
Chlodwigplatz – Chillen, veganes Eis oder Weihnachtsmarkt
Wir spazieren unheimlich gerne hier durch die Straßen der Südstadt. Besonders wenn die Sonne scheint und die Cafés voller Menschen sind. Wir haben einen Spruch, den wir dann ganz oft sagen: „Die Südstadt lebt, Digga!“
Dieses Veedel ist besonders. Zum einen ist der Rhein ganz nah. Dazu kommen schöne Parks und eine Menge gemütlicher Cafés, geile Kneipen und Ecken, in denen man einfach gerne unterwegs ist. Und dann gibt es natürlich noch die Lotta und den Tsunami Club!
Der Chlodwigplatz ist das Zentrum der Südstadt – zumindest für uns. Wenn das Wetter gut ist, setzen wir uns gerne hierher. Am liebsten mit einem Eis von AIS auf der Bonner Straße. Dort gibt es richtig gutes, veganes Vanille- und Schokoeis. Und sogar vegane Sahne. Wirklich superlecker. Was ungewöhnlich ist: Der Preis berechnet sich nach Gewicht, nicht nach Kugel.
Und im Winter? Da gehen wir gerne auf den Weihnachtsmarkt hier am Platz. Der ist zwar nicht riesig, aber genau das macht ihn besonders süß.
Als Band sind wir schon lange in der Südstadt. Früher hatten wir unseren Proberaum am Großmarkt, ganz am südlichen Ende des Veedels. Wir waren da in einem fragwürdigen Proberaumkomplex. Da sind merkwürdige Sachen passiert – und in unseren Raum hat es sogar reingeregnet. Aber die Musikszene dort war etwas Besonderes. Immer wieder gab es spontane Konzerte – mal vor den Türen der Proberäume, mal in den Räumen. Laut, DIY und ziemlich großartig.
Die Südstadt ist und bleibt unser Band-Veedel.
Mittlerweile ist unser Proberaum mitten in der Südstadt, ganz in der Nähe vom Chlodwigplatz. Der Raum ist deutlich ordentlicher – und es gibt sogar eine Küche! Trotzdem ist eines gleich geblieben: Die Südstadt ist und bleibt unser Band-Veedel.
Lotta – Feiern und Kickern
Die Lotta ist DIE Punkkneipe der Südstadt. Wir sind regelmäßig hier, nach der Probe zum Beispiel. Einfach, weil die Lotta eine richtig gute Kneipe ist. Genau so ein Ort, der passt, wenn man spontan noch Bock auf Rausgehen hat. Hier läuft immer geile Musik und es gibt einen Kickertisch. Perfekt.
Einmal waren wir sogar mit unserem Produzenten Moses Schneider hier. Der lebt in Berlin und immer, wenn er in Köln ist, fragt er, ob wir Zeit für ein Treffen haben. An einem Abend sind wir dann zusammen in der Lotta gelandet. Seitdem verbinden wir die Lotta auch mit diesem Abend mit Moses.
Think Twice – Quelle für Konzert-Outfits
Das Think Twice, direkt neben dem Odeon-Kino, wo früher Trude Herr ihr Theater hatte, ist unser absoluter Lieblingsladen für Vintage-Second-Hand.
Die Preise sind hier wirklich fair.
Wir lieben Second-Hand-Läden! Das Problem ist nur: Viele sind mittlerweile unfassbar teuer geworden. Das ist beim Think Twice zum Glück anders. Die Preise sind hier wirklich fair und es gibt immer wieder besondere Aktionstage, an denen alle Teile nur drei oder vier Euro kosten.
Vor allem für Joe ist es inzwischen fast ein Hobby, hier reinzugehen und zu stöbern. Man muss gar nicht jedes Mal etwas zum Kaufen finden. Es macht einfach Spaß, ein bisschen zu wühlen und zu schauen, was man so findet. Oft auch auf dem Weg zur Probe. Wahrscheinlich kommen fast alle unserer Konzert-Outfits aus dem Think Twice!
Tsunami Club – schöne Erinnerungen
Hier im Tsunami Club haben wir schon ein paar Mal selbst gespielt und waren natürlich auch als Besucherinnen auf Konzerten. Es ist einfach ein richtig cooler Club in der Südstadt. Klar, unser absoluter Lieblingsladen ist der Sonic Ballroom in Ehrenfeld – da geht für uns gar nichts drüber. Aber der Tsunami Club hat seinen ganz eigenen Charme.
Für uns als Band und für alle Musikschaffenden ist es schwierig, dass man an vielen Orten in Köln Geld bezahlen muss, um spielen zu dürfen – das sogenannte „Pay to Play“. Im Tsunami ist das auch der Fall, aber hier ist es noch human, und das wissen wir zu schätzen. Außerdem gibt es einen Backstage-Raum – das ist bei Clubs dieser Größe wirklich selten.
Ein besonders schönes Erlebnis war unser Gig zusammen mit der Band Yeast Machine aus Tübingen. Wir hatten sie kennengelernt, als wir noch am Anfang standen, und einfach gefragt, ob sie ein Konzert mit uns spielen wollen. Es war zwar nicht unser erstes Konzert. Aber ein eigenes Konzert in diesem Club, das war etwas Besonderes für uns als Band.
Das lag auch daran, dass wir uns mit Yeast Machine so gut verstanden haben. Viele Bands, mit denen wir vorher gespielt hatten – eigentlich fast immer Männerbands – haben mit uns kaum geredet. Wir waren ja Vorband und dann noch 4 junge Frauen. Bei Yeast Machine war das anders. Wir haben uns super unterhalten, sind gemeinsam auf dem Chlodwigplatz etwas essen gegangen. Yeast Machine! Echt tolle Band! Unbedingt mal anhören.
Aladdin – Saucen zum Schwärmen
Hier gibt es wirklich den besten Falafel in Köln! Die haben hervorragende vegane Soßen. Besonders die Kombination Tahini und Granatapfel ist unheimlich lecker. Und der Falafel-Makali ist super!
Hier im Aladdin sind die Leute hinter der Theke wirklich nett. Es gibt unschlagbare Preise. Und im Sommer sind sogar die Türen zur Bonner Straße offen, dann ist das ein schöner Space mitten in der Stadt. Das lieben wir. Es ist wie ein Ritual für uns: Erst zum Rewe Getränke kaufen, dann Essen beim Alladin und dann in den Proberaum.
Südbrücke – Panorama und Romantik
Die Atmosphäre hier an der Südbrücke ist besonders schön. Man ist direkt am Rhein, man kann in Richtung Rodenkirchen am Wasser spazieren gehen oder am Ufer in der Sonne sitzen. Und vor allem kann man, das gibt’s ja bei den Kölner Brücken eher selten, auf beiden Uferseiten gut Zeit verbringen.
Linksrheinisch gibt es den Skate-Park, wo immer ordentlich Stimmung ist und Leute Musik hören. Und auf der anderen Brückenseite gibt es im Sommer einen Eiswagen und man kann am Rheinstrand aufs Wasser gucken. Und wenn dann noch der Mond aufgeht… Hier an der Südbrücke wirkt er irgendwie riesengroß und fast rot.
Joe saß bei den ersten Dates mit ihrer Freundin hier auf der Südbrücke. Hier kann man wunderbar ins Träumen geraten, die Rhein-Kreuzfahrtschiffe beobachten und sich fragen: Wie wäre es wohl, auf einem dieser Schiffe oder einem der Dampfer mitzufahren? Und wohin könnte die Reise gehen?

0 Kommentare zu “Die Südstadt lebt, Digga: Ein Veedelspaziergang mit The Red Flags”