Seit mehr als 20 Jahren bringt die c/o pop neue Acts und Debatten nach Köln. Auch dieses Jahr wird’s laut: Vom 15. bis 19. April gehört Ehrenfeld wieder ganz dem Festival.
Zwischen den ganzen Konzerten bleibt aber auch Platz für Inhalte. In der parallel stattfindenden Convention spricht die Szene über das, was die Musikbranche gerade beschäftigt – vom politischen Rechtsruck bis zum Einsatz von KI in der Musik. Festivalleiterin Elke Kuhlen ist wichtig, dass die c/o pop in Köln vor allem eins ist: ein Festival, das Spaß macht und für möglichst alle zugänglich ist, die Bock auf Musik haben. Tagestickets gibt‘s für 40 Euro im c/o pop-Onlineshop.
Auf den Bühnen stehen nicht nur bekannte Acts wie LGoony, Ebow, Levin Liam, Paula Engels und Fuffifufzich, sondern auch jede Menge Newcomer*innen. Einige kommen direkt aus Köln, etwa die DJ-Crew E.P.I.Q., andere sind erst später in der Domstadt gelandet. Wir stellen dir 3 spannende Acts der Kölner Musikszene vor – irgendwo zwischen Indie-Rock und Italo-Pop. Vielleicht entdeckst du hier schon den nächsten Act für deine Playlist.
Köln gibt einem punkigen Sound mehr Raum als unsere eher idyllische Herkunft.
Benjamin, Zoo/Flora
Zoo/Flora: Mischung aus Punk, Pop und Neuer Deutscher Welle
Benjamin Güntert und Constantin Mücke, ausgestattet mit Gitarre und Mikrofon, bilden die Kölner Band Zoo/Flora. Und ja: Das Duo hat sich tatsächlich nach der Kölner Bahnhaltestelle benannt. Dahinter steckt ein ganz einfacher Gedanke, wie Benjamin erklärt: „Wir schreiben und produzieren unsere Songs in Constantins WG-Zimmer in Riehl. Weil ich dafür immer an der Zoo/Flora aussteigen musste, fand ich den Namen ziemlich passend.“
Seit einem Jahr machen sie als Duo Musik – weil sie gemerkt haben, dass zusammen nicht nur bessere Songs entstehen, sondern es auch viel mehr Spaß macht, sie zu produzieren. Ursprünglich kommen die beiden aus Freiburg, für die Musik hat es sie jedoch nach Köln gezogen. „Die Stadt und ihre Architektur geben einem punkigen Sound auf jeden Fall mehr Raum als unsere eher idyllische Herkunft“, so Benjamin.
Alles, was du von Zoo/Flora hörst, produzieren die beiden selbst. Schnelle Beats mit Punk-Vibes, verbunden mit catchy Texten und jeder Menge Gefühl – so klingt die Musik der Band. „Stell dir vor, Thomas Bernhard und Samuel Beckett würden zusammen in einer Bar Kurzgeschichten schreiben. Und genau so, wie sich das Hörbuch davon anhören würde, klingt Zoo/Flora“, beschreiben sie ihren Sound selbst. Also: Musik, die eher nach verrauchten Nächten, existenziellen Gesprächen und absurden Pointen klingt als nach leichter Unterhaltung.
Benjamin und Constantin zeigen sich nicht nur in ihren Sounds, sondern auch in ihren Videos wandlungsfähig: mal im Hemd mit Krawatte, mal im Brautkleid mit Lippenstift, mal mit Clownsmake-up – so auch in ihrer neuesten Single „Unterm Rad“. Ihre Texte erzählen von langen Clubnächten, von komplizierter Liebe und von diesem Gefühl, ein bisschen lost zu sein.
Zur c/o pop stehen sie am 17. April um 19:30 Uhr im artheater Basement auf der Bühne – zusammen mit den neuen Bandmitgliedern Lennart am Schlagzeug und Elena am Bass.
Apollo Online: Gitarrenpop zwischen Beatles und Coldplay
Sam Moran produzierte bereits für Bruno Kawelke, stand als Gitarrist mit Goldroger auf der Bühne und ist inzwischen solo als Apollo Online unterwegs. Seine Musik beschreibt er als Gitarrenpop, der irgendwo zwischen The Beatles, Coldplay und The Japanese House verortet ist. „Ich versuche die deutsche Sprache lässig und frei von den Krämpfen und Verkantungen zu machen, die sie so oft mit sich trägt. Meine Texte sollen unbekümmert wirken und dennoch eine echte Tiefe in sich finden.“
In den drei Songs seiner neuen EP „Der Weg sich teilend“ singt er über Verlust, Trauer und Schmerz – mit sanfter Stimme und einem atmosphärisch-melodischen Pop-Sound.
Musik hat den jungen Künstler sein ganzes Leben begleitet: „Meine Mutter ist Geigerin und hat mich mit Bach, Mozart und Dvořak, aber auch mit den Motown-Hits und The Beatles geprägt. Bei ihr lernte ich Musik fühlen und lieben.“
Köln hat die Selbstironie, das Augenzwinkern und die Ehrlichkeit in meine Songs gebracht. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen.
Sam, Apollo Online
Als Kind spielte Sam Klavier und Cello, als Jugendlicher begeisterte er sich immer mehr für Pop-Musik – nicht nur zum Hören, sondern auch, um eigene Songs zu schreiben und zu produzieren.
Auch wenn sich sein Leben schon an vielen Orten abgespielt hat, ist Köln dabei für Sam immer Heimat geblieben. Was hält ihn bis heute hier? „Die Offenheit und freundliche Art der Menschen hier ist keine Floskel. Es ist die Realität.“
Diese Offenheit spürt man auch in seinen Songs. „Köln hat die Selbstironie, das Augenzwinkern und die Ehrlichkeit in meine Songs gebracht. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen.“
Live erleben kannst du Apollo Online bei der c/o pop am 17. April um 21:45 Uhr im YUCA.
GiGi Girls: Träumerischer Italo-Pop aus Köln
Die Musik der GiGi Girls wirkt, als käme sie direkt aus einem Traum – zarte Stimmen, schwebende Sounds, viel Leichtigkeit, kombiniert mit hauptsächlich italienischen Texten. Als 80s Italo-Pop beschreiben die GiGi Girls ihren Sound, „verspielt, nostalgisch, ein bisschen drüber und selbstironisch.“
Das spiegelt sich in ihren Videos wider, die aussehen, als wären sie direkt aus einer anderen Ära herübergebeamt. Visuell klar an 80er-Popästhetik angelehnt. Dabei entsteht die Musik nicht in einer fernen Vergangenheit, sondern in Köln: von Laura Mancini, die Songs auf Italienisch – der Sprache ihres Vaters – singt, Produzent Janosch Pugnaghi sowie Hannah Berle, die insbesondere bei Live-Shows mitwirkt.
Der Name „GiGi Girls“ mag verspielt wirken, geht jedoch auf eine persönliche Geschichte zurück: Lauras Großmutter hieß Julieta und beeinflusste sie mit ihrem extravaganten Stil nachhaltig – inspirierte somit auch den Bandnamen. „Diese überzeichnete, verspielte 80er-Ästhetik zieht sich seitdem durch unsere Musik und unsere Looks und ist zugleich eine Hommage an sie“, so Laura.
Ihren Ursprung hat die Band beim c/o pop Festival 2023. Aus der Idee, „einfach mal zusammen einen Song zu machen“, wurde Schritt für Schritt mehr – bis sie zwei Jahre später selbst auf der Festivalbühne standen. 2026 stehen sie erneut im c/o pop-Line-up. Diesmal bringen sie Tracks von ihrem Debütalbum „GiGi Girls – Greatest Hits“ live auf die Bühne. Mit dabei: der frisch veröffentlichte Song „Il Futuro“ – eine Art musikalische Zeitreise.
Zu sehen sind sie am 17. April um 21:15 Uhr im Bumann & Sohn.
Köln ist für sie dabei weit mehr als nur Bühne, sondern ihre persönliche und musikalische Heimat: „Wir sind viel auf Konzerten unterwegs und die Offenheit und Experimentierfreude, die man hier erlebt, prägen auch unsere Musik.“
Noch ein Must-See: Um 20:15 Uhr am 17. April übernimmt das DJ-Kollektiv Forever Fresh das Bürgerzentrum Ehrenfeld – zehn Frauen Ü70, die älteste 90. Gegründet wurde das Kollektiv 2025 nach einem Workshop. Damit wird das Line-up um eine Perspektive erweitert, die in Clubkontexten sonst selten sichtbar ist.

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