Frischer Wind für die Clubszene! Wenn E.P.I.Q. ruft, tanzt Köln – kompromisslos divers und garantiert energiegeladen. Mit ausgelosten Slots, spontanen Back-to-Back-Sets und einer gemeinsamen Vision haben sie nicht nur das Jaki, sondern auch das Publikum für sich gewonnen. Wie es hinter den Kulissen von Kölns coolster DJ-Crew aussieht? Das erfahren wir im Interview.
Ihr wollt Partys veranstalten, auf die ihr selbst gerne gehen würdet. Was macht für euch die perfekte Party aus?
Uns geht es darum, Räume zu schaffen, in denen sich Menschen sicher fühlen, Spaß haben und gemeinsam eine gute Zeit erleben können. Unsere Partys sollen Begegnungen ermöglichen, von der Freude am Tanzen geprägt sein und eine Atmosphäre schaffen, in der sich alle willkommen fühlen.
Wie habt ihr euch kennengelernt und musikalisch zusammengefunden?
Das war 2021, mitten in der Corona-Zeit. Piush, eins unserer Mitglieder, hat damals im Rahmen des Kölner Bühnensommers ein All-Female-DJ-Line-Up gebucht. 3 von uns haben dort aufgelegt – und bei der Veranstaltung entstand die Idee, bei einer gemeinsamen Party alle zusammen zu spielen. Wenig später gründeten wir eine WhatsApp-Gruppe und holten noch weitere DJs dazu. So entstand unsere 8-köpfige DJ-Crew: Sedaction, Savsannah, Sharlipseon, Piush, Nikity, C:Mone, Anna Cainelli und AMSL.
Wo fand eure erste Party statt?
Das war im King Georg, einem kleinen Jazzclub in der Nähe vom Ebertplatz. Die Party nannten wir „Queen Georg”. Der Club hat auch ein kleines, ausgelagertes Kioskhäuschen, und genau dort startete die Party tagsüber und Open Air, bevor es anschließend im Club weiterging. Wir hätten damals nie damit gerechnet, dass unser recht spontaner Zusammenschluss als Gruppe, so viele Menschen zu dieser Party zieht und verschiedenste Freundeskreise zusammenbringt. In dieser Nacht gab es von uns keinen konkreten Ablauf, sondern wir spielten alle 8 im ständigen Wechsel, immer B2B.
Was bedeutet B2B?
„Back to Back“ bedeutet wörtlich übersetzt „Rücken an Rücken“, im Clubcontext beschreibt es zwei DJs, die zusammen spielen. Sie wechseln sich ab und reagieren mit ihrer Songauswahl auf die andere Person. Wir spielen gerne solche Sets, weil es uns Spaß macht, uns gegenseitig zu ergänzen. Das hält die Abende spannend und flexibel.
Wie würdet ihr euren musikalischen Stil beschreiben?
Wir spielen von House über Breakbeats, HipHop, Techno, UK Garage und RNB, viele verschiedene Genres. Dabei bewahrt jede von uns ihren eigenen Stil und das ist uns sehr wichtig. Gleichzeitig inspirieren wir uns gegenseitig – sei es durch neue Musik, die wir uns zeigen, oder indem wir hören, was die anderen auflegen. So bleiben wir musikalisch offen und neugierig. Für uns ist Musik und Auflegen kein Konkurrenzding, sondern ein gemeinsames Erlebnis und der Mittelpunkt unserer Partys.
Nach welchem Prinzip laufen eure Partys ab?
Es gibt keine festen Regeln – weder zur Geschwindigkeit noch zur Dramaturgie. Was unsere Partys besonders macht: Wir losen vor jeder Party unsere jeweiligen Auftrittszeiten aus. Das ist eher ungewöhnlich für eine Clubnacht: Wir spielen jeweils nur 30-Minuten-Sets. Dadurch werden die Abende sehr kurzweilig und energiegeladen. Zu Beginn und am Ende spielen wir dann alle zusammen im Wechsel. Gleichzeitig ist es uns wichtig, mit lokalen Künstler*innen zusammenzuarbeiten, von Artwork, Postergestaltung über Jingles und Gast-DJs.
Wie organisiert ihr euch im Kollektiv?
Wir verteilen Aufgaben und vertrauen einander. Wir treffen uns regelmäßig, besonders vor großen Veranstaltungen oder Interviews, um wichtige Punkte abzusprechen. Weil wir viele Leute sind, können wir uns gut gegenseitig auffangen. Wenn jemand beruflich oder privat eingespannt ist, springt jemand anderes ein. Dieser Zusammenhalt macht vieles möglich.
Das Jaki scheint für euch ein besonderer Ort zu sein. Warum?
Das Jaki ist seit über einem Jahr unsere Club-Residency. Alle 3 Monate veranstalten wir dort unsere eigene Party Reihe: „E.P.I.Q. Nights“. Der Club passt perfekt zu uns: Die Größe ist ideal, die Stimmung besonders und das Team vertraut uns sehr. Wir fühlen uns dort fast wie zu Hause. Dieses Vertrauen gibt uns Freiraum, unsere Vision umzusetzen, und das spüren auch die Gäste. Uns wird oft gesagt, dass unsere Partys dort eine ganz eigene Energie haben. Auch das Awareness-Konzept des Jaki ist etwas, das wir sehr schätzen. Die Mitarbeitenden tun ihr Bestes, um unsere Gäste zu schützen und eine sichere Atmosphäre zu schaffen. Das Jaki/ Stadtgarten ist generell ein wichtiger Ort für Jazzmusik in Köln, und das unterstreicht auch unsere variierenden Musikstile, die hier ein gutes Zuhause finden. Und selbst wenn wir in anderen Clubs spielen, fühlen wir uns dort am sichersten, uns auszuleben und musikalisch nicht eingegrenzt zu sein.
Was ist euch bei Awareness-Konzepten besonders wichtig?
Uns ist wichtig, dass klar kommuniziert wird, wer Ansprechpartner*innen sind, falls etwas passiert. Regeln müssen einfach und sichtbar sein, besonders für Gäste, die zum ersten Mal unsere Party besuchen. Außerdem sollte das Team geschult sein, damit im Ernstfall souverän reagiert werden kann. Das gibt allen Beteiligten Sicherheit.
Wie fühlt es sich für euch an, als FLINTA*-Kollektiv in der Kölner DJ-Szene mitzuspielen? Habt ihr mit Vorurteilen oder Stereotypen zu kämpfen, oder ist das heutzutage kein Thema mehr?
Wir haben den Begriff FLINTA* anfangs selbst genutzt, um uns als Gruppe zu beschreiben, aber lange nicht klar entschieden, ob wir ein FLINTA*-DJ-Kollektiv sind oder eine DJ-Crew. Erst, als uns der Begriff FLINTA*-Kollektiv sehr oft von außen zugeschrieben wurde, haben wir uns damit auseinandergesetzt. Wir bezeichnen uns heute aber lieber als DJ-Crew. In der Kölner Szene haben wir uns sehr willkommen gefühlt. Gleichzeitig fällt uns auf, dass FLINTA-Crews oft mehr Verantwortung zugeschrieben wird – etwa, automatisch für Diversität oder politische Themen zu stehen. Diese Erwartungen gibt es bei männlichen Crews nicht. Wir wünschen uns, dass diese Ungleichbehandlung aufhört und alle Crews gleichermaßen nach ihrer Musik und Energie bewertet werden. Dazu tragen wir unseren Teil bei, indem wir bei unseren Bookings und Kooperationen sehr genau darauf achten, mit wem wir zusammenarbeiten und wen wir unterstützen können.
Ist die Kölner Clubkultur schon FLINTA- und queer-friendly genug?
Köln ist auf einem guten Weg und gerade in den letzten Jahren hat sich viel getan. Es gibt mittlerweile viele nicht-männliche und queere DJ-Kollektive, die ihre eigenen Partys organisieren und bei Events gebucht werden. Aber: Wir sind noch nicht angekommen, wo wir sein könnten. Es gibt nach wie vor viele Partys, bei denen ausschließlich Männer auflegen – oder Situationen, in denen das Feingefühl für strukturelle Probleme fehlt. Vielen ist nicht bewusst, dass Veränderungen auf dieser Ebene tiefer gehen müssen, um wirklich nachhaltig zu sein. Es ist ein Prozess, den man immer und immer wieder angehen muss.
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Weitere InformationenWollt ihr Sichtbarkeit von FLINTA*-Personen in der Clubkultur stärken?
Ja, unbedingt. Wir wollen zeigen, dass FLINTA*-Personen genauso selbstverständlich hinter den Decks stehen können. Das verändert auch die Atmosphäre: Unser Publikum ist diverser, und das sorgt für einen anderen Vibe als bei klassisch männlich dominierten Partys. Gleichzeitig finden wir wichtig: Für nachhaltige Veränderung braucht es auch Männer in einflussreichen Positionen, die bestehende Strukturen hinterfragen und Verantwortung übernehmen – nur so können wir zusammen eine nachhaltige und gerechtere Clubkultur schaffen.
Gibt es Momente, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind?
Unsere erste eigene Party am 2. Oktober 2022 im Tennisclub am Colonius war magisch. Wir hatten gedacht, 100 Leute wären schon ein Erfolg – am Ende gab es einen Einlassstopp. Das hat uns überwältigt. Außerdem sind die Momente vor jeder unserer Partys besonders: Wir kommen zusammen, umarmen uns und pushen uns gegenseitig.
Mit welchem Gefühl wollt ihr, dass die Leute eure Partys verlassen?
Beseelt und glücklich – aber wir lassen Raum für viele Emotionen. Bei unserer Valentinstagsparty gab es ausschließlich Sets voller Love- und Heartbreak-Songs. Unsere Partys sind mehr als Tanzen: Sie sind Treffpunkte, Orte für Begegnungen und manchmal Wiedersehen nach Jahren. Diese Dynamik macht sie besonders.
Was hört ihr von den Leuten über eure Partys?
Ein Gast sagte einmal: „Jedes Mal, wenn ich auf eure Partys gehe, ist da etwas in der Luft, das nur ihr erschaffen könnt.“ Genau das beschreibt unser Gefühl. Wir hatten mit E.P.I.Q. nie eine konkrete Agenda für die Zukunft – vieles passiert organisch, und diese Leichtigkeit spürt man.
EPIQ auf einen Blick:
| Fakten | Details |
| Gründung | 2021, Köln |
| Mitglieder | 8 Gründungsmitglieder (7 aktive Mitglieder) |
| Musikstil | Genreübergreifend: House, RnB, UK-Garage, Techno, Fun, E.P.I.Q. |
| Philosophie | Vielfalt, Fairness, Freiheit |
| Club-Base | Jaki, Köln |
| Signature-Sets | Back-to-Back, spontane Dynamik |
Nicht verpassen: Am 26. September feiern E.P.I.Q. ihren 4. Geburtstag! Wo? Natürlich im Jaki!

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